Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.
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Diese wenigen Zahlenangaben sind geeignet, ein Bild von dem Stand der Knuppschen Werke im Jahre 1873, dem Jahre der Wiener Weltausstellung, zu geben, an der sich Krupp sehr stark beteiligt hat. Diese reichliche Beschickung der Wiener Weltausstellung darf nicht wundernehmen, handelte es sich doch damals, wie bereits erwähnt, um die Einführung eines neuen Feldgeschützsystems in Österreich. Krupp hatte schon im Jahre 1872 außer einer größeren Bestellung auf 15 cm-Ringkanonen vom k. k. technischen und administrativen Militärkomitee den Auftrag zur Lieferung eines Versuchsgeschützes vom 8,7 cm Kaliber und einer Geschoßanfangsgeschwindigkeit von 1700 Fuß erhalten. Die Konstruktion dieses Geschützes war das bisher geheimgehaltene Eigentum Krupps, das die neuesten Erfahrungen verkörperte.
Die Erprobungen dieses und der verschiedenen anderen von Krupp beigestellten Geschütze, zuletzt von 4 Stück 8,7 cm beringten Feldkanonen, ergaben eine vier- bis nahezu neunfache Überlegenheit über die bestehenden österreichischen Achtpfünder, was damals die artilleristische Welt in lebhaftes Erstaunen versetzte. Auch bei der Truppen- erprobung hatten die Knuppschen Geschütze glänzend entsprochen.
Nichtsdestoweniger scheiterten die auf Grund der günstigen Versuchsergebnisse geführten Verhandlungen, allerdings aus Gründen, die mit der Sache selbst nichts zu tun hatten.
Finanzielle Rücksichten, die Abneigung des Parlaments, die erforderlichen Geldmittel zu bewilligen und auch die Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche der einheimischen Stahlindustrie, welche alle Minen springen Heß, um sich eine so große Belieferung bei der damals überall herrschenden Geschäftsstille nicht entgehen zu lassen, stellten die Kriegsverwaltung und die Regierung vor eine schwierige Entscheidung und es war eine glückliche Lösung, daß die von dem damaligen Generalmajor Franz Freiherrn von Uchatius (Bild 14) zu jener Zeit erfundene Stahlbronze und deren sofortige Verwendungsmöglichkeit bei Feldgeschützen über die Notwendigkeit der Bestellung der Feldkanonen bei Krupp oder bei einheimischen Stahlwerken hinweghalf.
Man darf das heute schon 70 Jahre alte Verfahren zur Erzeugung von Stahl- bronze als bekannt voraussetzen, insbesondere, daß die Bezeichnung „Stahlbronze“ nicht etwa auf eine Legierung von Stahl und Bronze hinweist, sondern nur die stahlähnlichen Eigenschaften der Hartbronze von Uchatius hervorhebt.
Uchatius gebührt außer der Erfindung der Hart bronze auch das große Verdienst, die künstliche Hebung der Elastizitäts- und Streckgrenze eines Werkstoffes — wenn vom Schmieden, Walzen und Ziehen abgesehen wird — zum ersten Male durch Innenpressung in die Praxis übertragen zu haben.
Technikgeschichte, 8. Heft. 5
Bild 14. Franz Frh. v. Uchatius ( 1811 - 1881 ).