Aufsatz 
Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens / von Oswald Dirmoser
Entstehung
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Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.

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Jahre 1847, also kurz nach der Entdeckung der Nitrozellulose, schuf Ascanio Sobrero (Bild 16), der in Turin Chemie lehrte, das Nitroglyzerin, dessen ausge­dehntere Verwendung als Sprengmittel aber erst ungefähr 20 Jahre später erfolgte, als es Dr. Alfred Nobel in Stockholm 1865 gelang, in der Kieselgur einen ge­eigneten Aufsaugestoff für die ungemein stoßempfindliche Flüssigkeit ausfindig zu machen. Er erfand auch die Sprengkapseln, um dieses Gemisch das Dynamit sicher zur Detonation zu bringen, eine Erfindung, die von Nobel 1867 eingeführt wurde und die sich nicht nur für die zivile Sprengtechnik, sondern auch für das Geschütz wesen als ungemein bedeutungsvoll erwies.

Bild 15. Geheimrat Max v. Duttenhofer Bild 16. Ascanio Sobrero

(1843-1903). (1812-1888).

Desgleichen gelang es Nobel 1888, Nitroglyzerin für Schießzwecke ver­wendbar zu machen, indem er es als Lösungsmittel für Nitrozellulose mitbenützte und so den Grund für alle unsere heutigen NZ = NGl.-Pulver legte.

Auch unser Ekrasit, die Pikrinsäure, stammt aus dieser Zeitperiode. Sie wurde zwar schon im Jahre 1788 von Haussmann entdeckt, aber zunächst viele Jahre lang nur als geschätzter Farbstoff für Seide und Wolle verwendet, bevor man ihre Eigenschaft als sprengkräftige Substanz erkannte. Erst Sprengel (Bild 17) wies 1872 auf die Detonationsfähigkeit der Pikrinsäure hin und Turpin hob 1886 ihren Wert in geschmolzenem Zustande als Granatfüllung hervor. Es entstand das französi­sche Melinit, das englische Lyddit, die japanische Schimose, lauter Explosivstoffe, deren Hauptbestandteil die Pikrinsäure bildet. Doch hat schließlich auch die Pikrinsäure in den letzten Jahren dem Trinitrotoluol (Trotyl) weichen müssen, das wohl schon 1865 von Willbrandt entdeckt, aber erst im Jahre 1891 von Hättsser- mann als Sprengstoff erkannt wurde.

Es ist naheliegend, daß alle diese neuen Explosivstoffe nicht ohne Einfluß auf das Geschütz wesen bleiben konnten. Die bedeutend größere Leistungsfähigkeit der rauchlosen Schießmittel gegenüber dem Schwarzpulver, die hohen Gasdrücke