Aufsatz 
Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens / von Oswald Dirmoser
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen

08

Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.

und Verbrennungstemperaturen stellten ganz andere Anforderungen an das Rohr- material, denen der bisher verwendete Gußstahl und auch die Hartbronze nur noch zum Teil gewachsen waren.

Alfred Krupp hat das Eindringen der rauchlosen Pulversorten in das Geschützwesen nicht mehr erlebt. In das letzte Jahr seiner Wirksamkeit fällt noch die Erzeugung von Schrappneilgeschoßhülsen aus Stahl durch Pressen und Ziehen im Jahre 1877, die Herstellung der ersten 40 cm-Ringkanone L/25 von 10 m Länge und dem Gewicht von 72 t im Jahre 1879, ferner die Auslieferung der von Italien bestellten 4 Stück 40 cm L/35 Küstengeschütze mit der Rohrlänge von

Bild 18. Dr. Wilhelm Lorenz (1842-1926).

Biid 17. Prof. Dr. Hermann Sprengel (1834-1906).

14 m und dem Rohrgewichte von 121 t im Jahre 1885 und gewissermaßen als Krönung seiner Lebensarbeit die Konstruktion eines 8,4 cm-Schiffsgeschützes L/27 in Gelenk­lafette, des ersten Schnellfeuergeschützes, das am 1. Februar 1887 10 Schüsse in 34 Sekunden abgab.

Zu diesem glänzenden Erfolg hat wesentlich die Anwendung von messingenen Kartuschhülsen, also Metallpatronen, beigetragen, die von der damaligen deutschen Metallpatronenfabrik Lorenz (Bild 18) in Karlsruhe hergestellt worden waren. Die Erzeugung von Metallpatronen für beliebige Kaliber bis zu den größten war für die Weiterentwicklung der Geschütztechnik von der gleichen Bedeutung gewesen, wie die bald darauf erfolgte Einführung des rauchschwachen Pulvers.

Im Juli 1887 hat Alfred Krupp, dieser geniale Techniker und Selfmademan, die Augen für immer geschlossen. Wenn auch heute auf dem Gebiete des Geschütz- wesens in anderen Werken und anderen Ländern mit großen und anerkennenswerten Erfolgen gearbeitet wird, so darf dabei nicht übersehen werden, daß der Ausgangs­punkt für all dies Schaffen das erste Gußstahlgeschützrohr von Alfred Krupp war und daß die schöpferischen Arbeiten dieses Mannes der Tat, dieser Verkörperung