Aufsatz 
Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens / von Oswald Dirmoser
Entstehung
Seite
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Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.

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von Wollen und Können, dieses Inbegriffes von Geist und Kraft erst die Wege für die metallurgischen Prozesse der Stahlerzeugung und für die mechanischen Ein­richtungen der Geschützfabrikation gewiesen haben.

Wo und in welchem Lande immer die Geschichte der Artillerie geschrieben werden wird und sei es noch so entlegen, dort wird auch der Name Alfred Krupp seinen ehrenvollen Platz finden müssen, als des zähesten, kühnsten, aber auch erfolgreichsten Bahnbrechers auf dem Gebiete des Geschützwesens, ein Name, der immer mit hoher Achtung genannt werden wird, so lange das Werden und Wachsen aus eigener Kraft Geltung hat.

Das moderne Geschützwesen ist in seiner Entwicklung auch nach dem Heimgange von Alfred Krupp nicht zum Stillstand gekommen. Sein Sohn Friedrich Alfred

Bild 19. Dr. Ing. Konrad Haussner Bild 20. Dr. Ing. Heinrich Ehrhardt

(geb. 1859). (1840-1928).

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Krupp (Bild 12) übernahm die einzig dastehende Weltschöpfung seines Vaters, zu der sein Großvater den Grund gelegt hatte. Die Arbeiterzahl der Gußstahlfabrik Essen einschließlich der Außenwerke war zu jener Zeit bereits auf 20.200 gestiegen.

Unter Friedrich Alfred Krupp begannen im Jahre 1889 die Schieß versuche mit rauchlosem Pulver und damit in Verbindung die ersten Versuche mit Nickelstahl, dem heute ganz allgemein gebräuchlichen Werkstoff für Geschützrohre. Im gleichen Jahre wurde der Schubkurbel-Keilverschluß geschaffen und eine Wiegenkonstruktion für Schiffsgeschütze ausgebildet, der im Jahre 1893 die erste Wiege mit Luftvorholer für schwere Schiffsgeschütze folgte.

Auf der Weltausstellung in Chicago im gleichen Jahre stellte die Firma Krupp ein 42 cm L/33 Geschützrohr im Gewichte von 122,400 kg aus, das schwerste bis dahin von Krupp überhaupt ausgeführte Geschützrohr. Das Jahr 1893 ist geschütz- technisch aber auch deshalb beachtenswert, weil Krupp zum ersten Male fahrbare Versuchsgeschütze mit langen} Rohrrücklauf vor Vertretern der deutschen Militär-