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Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.
Behörden vorführte. Diese Geschütze hatten allerdings ihre eigene Entstehungsgeschichte.
Die Idee zu den Rohrrücklaufgeschützen mit langem Rohrrücklauf stammt von dem Ingenieur Konrad Haussner (Bild 19), welcher die grundsätzliche Lösung dieses Problems im November 1888 in einer ausführlichen Denkschrift niederlegte. Haussner wendete sich an das Gruson-Werk in Magdeburg-Buckau, woselbst in den ersten Jahren nach 1890 mehrere Versuchsmodelle mit langem Rohrrücklauf nach den HAUSSNERschen Entwürfen ausgeführt wurden. Diese Modelle gelangten im Jahre 1893 durch Ankauf des Grusomverkes und Übernahme seiner Konstruktionen in den Besitz der Firma Krupp, die sie auf ihrem Schießplatz in Meppen erprobte und vorführte. Die Konstruktion und das ihr zugrunde liegende Prinzip fand aber auch jetzt nicht die entsprechende Würdigung von Seiten der Firma Krupp und auch die militärischen Sachverständigen standen dieser Neuerung ablehnend gegenüber.
Haussner mußte daher nach neuen Interessenten Umschau halten und so blieb es der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabriks A.G. in Düsseldorf, der heutigen Rheinmetall-Borsig A. G., welche unter der Leitung des damaligen Kommerzienrates und nachmaligen geheimen Baurates Dr. Ing. E. h. Heinrich Ehrhardt (Bild 20) stand, Vorbehalten, den Geschützen mit langem Rohrrücklauf zum Durchbruch zu verhelfen.
Die Firma Rheinmetall wurde im Jahre 1889 gegründet, als zur möglichst raschen Umbewaffnung des deutschen Heeres mit Stahlmantelgeschossen an Stelle der bis dahin bei der Infanterie verwendeten Hartbleigeschosse, die Privatindustrie zur Lieferung dieser neuen Geschosse herangezogen werden mußte. Ehrhardt, der voraussah, daß diese Lieferungen bald ein Ende nehmen würden, bereitete die Aufnahme neuer Betriebszweige vor. Im Jahre 1891 erhielt er die grundlegenden Patente auf sein Preß- und Zieh- verfahren zur Herstellung stählerner Hohlkörper (Geschoßhülsen), das sich bezüglich der Güte und Billigkeit der Fabrikate derart bewährte, daß das deutsche Kriegsministerium allen Firmen in Deutschland, die Geschosse lieferten, und auch den staatlichen Fabriken die Anwendung des EHRHARDTschen Preß- verfahrens vorschrieb.
Dieses Verfahren beruht darauf, daß ein schmiedewarmer, also rotglühender Block von quadratischem Querschnitt in eine zylindrische Preßform (Bild 21), deren Durchmesser gleich der Diagonale des Querschnittsquadrates ist, gesteckt und daß dann mittels hydraulischen Druckes ein Rundstempel eingepreßt wird, dessen Querschnitt gleich der Summe der vier Segmentquerschnitte ist. J>eim Pressen weicht der durch den Preßdorn verdrängte Werkstoff nach den Seiten aus
Bild 21. Verfahren zur Herstellung stählerner Hohlkörper nach Erhardt.
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