Heft 
1942: Achtes Heft
Entstehung
Seite
77
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Nachwort über die Brüder Dirmoser.

entspricht vielmehr dem Umstand, daß dessen Aufbau, ferner die Art des Transports auf Straßen und Eisenbahnen mittels Benzinelektrozuges in vier Teillasten, und schließlich die Art des Ein- und Ausbaus, die trotz dem enormen Gewicht der ein­zelnen Teillasten ohne Zuhilfenahme eines Kranes vor sich geht, auch für die von Dirmoser gleichfalls entworfene 42 cm-Haubitze M 16, ferner für dessen weit- tragende 24 cm-Kanone M 16 und den 21 cm-Mörser vorbildlich wurden, so daß alle diese großkalibrigen Geschütze einheitlich ausgeführt werden konnten. Noch einer weiteren Arbeit Dirmosers muß gedacht werden: der 35 cm-Belagerungs- kanone L/45Georg. Für die Verwendung dieses Rohres im Felde schuf Dir­moser eine eigene Hilfslafette, sowie die Einrichtungen für den Vollbahntransport und für den Einbau des Geschützes.

Der jüngere Bruder, der gewesene Professor an der Technischen Hochschule in Wien, Dr. techn. Oswald Dirmoser (geb. Brünn 1875, gest. Baden b. Wien 1938) (Bild27) ließ sich nach seiner Ernennung zum Leutnant i. d. R. aktivieren und widmete sich zunächst dem Offiziersberuf. Doch schon im Jahre 1899 trat er wieder in das Reserveverhältnis über und wurde nach Absolvierung der Techni­schen Hochschule in Wien und einem Assistentenjahr an der Lehrkanzel für Maschinenbau im Jahre 1904 durch Generaldirektor Dr. Georg Günther als Vor stand des Büros für Geschützrohrkonstruktionen und elektrische Einrichtungen der Geschütztürme in die Waffenfabrik nach Pilsen übernommen.

Die Skoda-Werke waren zu jener Zeit in der Entwicklung des Rohrbaus bei Kaliber 24 cm angelangt, welches für die in den Jahren 1902 bis 1905 vom Stapel gelassenen Schlachtschiffe der österreichischen Kriegsmarine geliefert wurde. Für eine neu geplante Schiffsdivision, die 1908 bis 1910 vom Stapel lief, waren jedoch 30,5 cm L/45 Turmgeschütze in Aussicht genommen, die einem Geschoß von 450 kg eine größte Mündungsgeschwindigkeit von 800 Sekundenmeter erteilen sollten. Die Berechnung und konstruktive Durchbildung dieser Rohre war eine der ersten Arbeiten des neuen Büro Vorstandes, mit welcher gleichzeitig auch das erste groß­kalibrige Geschützrohr mit vollständig glatter, der Widerstandskurve entsprechender Außenform ins Leben trat. Neben einer großen Anzahl von Geschützrohren der verschiedensten Kaliber hat Professor Oswald Dirmoser auch das Rohr der 42 cm- Belagerungshaubitze L/15 und der österreichischen 30,5 cm-Mörser M 11 berechnet und entworfen.

Seine Tätigkeit als Bürovorstand in Pilsen fand nach sechs Jahren ihr Ende, als Karl Ritter von Skoda die Leitung der Werke übernahm und Dirmoser im Januar 1910 als technischer Referent zur Generaldirektion nach Wien berufen wurde, in welcher Stellung er nach kurzer Zeit zum Direktor der Waffenfabrik vorrückte. Der Domizilwechsel ermöglichte Dirmoser auch die Annahme der Honorardozentur fürAllgemeine Maschinenkunde an der Technischen Hoch­schule in Wien, und schon im Oktober 1910 fanden seine ersten Vorlesungen statt. Nach Beendigung des Weltkrieges, den Dirmoser, obwohl. enthoben, dennoch kurze Zeit gelegentlich der Einnahme Belgrads 1915 auf eigenes Ansuchen hin im Verbände der ersten 15 cm M 15-Autokanonenbatterie an der serbischen Front mitmachte, wurde die Generaldirektion der Skoda-Werke nach Prag verlegt und dadurch der praktischen Tätigkeit Dirmosers in der Waffenfabrik mit Ende 1919