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Nachwort über die Brüder Dirmoser.
ein Ziel gesetzt. Professor Dirmoser widmete sich dann in Wien ausschließlich theoretischen Studien, die namentlich den Zusammenhang zwischen Gasspannungskurve im Geschützrohr und der jeweils auf tretenden Materialspannung im Rohr klärten. Diesen Studien verdankt das Werk Dirmosers aus dem Jahre 1931: „Festigkeitsberechnung von Hochleistungsgeschützrohren mit natürlicher und künstlich gehobener Elastizitätsgrenze“ sein Entstehen; eine Arbeit, welche heute bei den Heeres- und Marine Verwaltungen von 19 Staaten vertreten ist und wohl von jedem Konstrukteur von Geschützrohren zu Rate gezogen wird.
Die artilleristische Bedeutung Dr. Oswald Dirmosers liegt auf dem Gebiete der Geschützrohrkonstruktionen, ein Sondergebiet, das voraussichtlich bei dem raschen Vorschreiten der Technik in nicht allzu ferner Zeit auch für den allgemeinen Maschinenbau von Wichtigkeit werden wird, da das Bedürfnis nach Rohren und Gefäßen, welche innerem Druck von mehreren Tausenden von Atmosphären zu widerstehen vermögen, auch heute schon in der Praxis auf tritt.
Die vorstehenden Angaben über die Gebrüder Dirmoser erbringen den Beweis, daß an der Fortentwicklung der Artillerie in den ersten zwei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts auch zwei sudetendeutsche Artilleriereserveoffiziere als ganz hervorragende Ingenieure mitgewirkt haben.
In einem so ausgedehnten Unternehmen, wie es die Skodawerke waren, gab es naturgemäß viele außerordentlich tüchtige Techniker als Mitarbeiter. Heute nach so vielen Jahren ist es aber sehr schwierig, die verdienstvollsten festzustellen.
Als ehemaliger vieljähriger Angehöriger der Schieß Versuchskommission des technischen Militärkomitees bin ich der Meinung, daß sich unter der Gruppe der verdienstvollsten leitenden Direktoren der ehemalige Direktor Dr.-Ing. M. Paul, der -wegen seiner Verdienste um die Schaffung des 30,5 cm Mörsers zum Doktor ehrenhalber der deutschen Technischen Hochschule in Brünn ernannt wurde, befand. Bei den wiederholten Besuchen am Schießplatz Felixdorf kam ich mit ihm in Verbindung. Mir ist bekannt, daß Direktor Dr.-Ing. Paul einen besonderen Ruf, und zwar in der Gruppe der schwersten Kaliber genossen hat.
Als der erste 30,5 cm-Mörser Mil und die großkalibrigen Geschütze für die österreichische Kriegsmarine entwickelt wurden, war Dr.-Ing. M. Paul Vorstand der betreffenden Konstruktionsabteilung, während Ing. Richard Dirmoser sein Stellvertreter war. Nachdem Dr.-Ing. Paul dann zum Direktor der Waffenfabrik vorrückte, übernahm Ing. Richard Dirmoser die Konstruktionsabteilung für schwere Artillerie. In diese Zeit fiel dann die Entwicklung eines 30,5 cm-Mörsers M 16 mit vergrößerter Leistung sowie die Entwicklung der 35 cm-Kanone, 38 cm- und 42 cm-Haubitze, der 24 cm-Kanone. An allen diesen Arbeiten hat Ing. Paul als Direktor der Waffenfabrik hervorragend leitend mitgewirkt.
Direktor Dr.-Ing. Paul ist daher an den Verdiensten, welche ich bei den beiden Brüdern Dirmoser erwähnt habe, in hohem Maße mitbeteiligt, aus welchen Gründen ich Wiederholungen entfallen lassen kann.
Wie bereits erwähnt, war Ing. Oswald Dirmoser vor dem Weltkriege Vorstand der Abteilung für Rohrbau und hat also lediglich auf diesem Gebiete bei der Entwicklung dieser Geschütze mitgewirkt. Während des Weltkrieges wurde dessen Tätigkeit ebenfalls geschildert.