Techni kgeschicht licke B ücherschau .
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während der Kustos der Wiaffensamimlung des Wiener Kunsthiistorischen Museums, Dr. Bruno Thomas, in seinem, wie alle diese Bändchen reizvoll illustrierten Bericht „Harnische“ sich auf mehr kunst- und kulturhistorische Einzelheiten 'beschränken muß, 6 da eine Darstellung der Technik der Harnischherstellung überhaupt nicht bekannt ist. Strohmer-Nowak behandeln im Text des Bändchens „Alt-Wiener Porzellan“ das ihnen zu danken ist, 7 in interessanter Weise die Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und die Personen, durch die diese bestimmt wurde. Da die Quellen zur Geschichte dieser für Wiens Kunstgewerbe so bedeutsamen Werkstatt, die ihre Niederlage am Josephsplatz Nr. 1155 hatte, spärlich fließen, sei das über die „K. k. ärarische Porzellan-Manufaktur in Wien“ im „Bericht über die erste allgemeine österreichischeGewerbsprodukten-Ausstellung im Jahre 1835“ Gesagte wörtlich hier angeführt: 8
„Diese Fabrik wurde um 8 Jahre später als die sächsische Porzellan-Manufaktur zu Meißen, die älteste in Europa, im J. 1718 von dem k. k. Kriegsagenten C. J. Du Pasquier gegründet, welcher die Fabrikation mit 10 Arbeitern begann und sie im Verlaufe seines Betriebes izu keiner bedeutenden Ausdehnung erhob. Im J. 1744 kaufte der Staat die Fabrik um die Summe von 45.459 fl. C. M., und iibergab die Leitung derselben dem Gründer, welcher als Direktor angestellt wurde. Seit dieser Zeit vergrößerte sich die Manufaktur sehr rasch, so 'zwar, daß sie im J. 1750 schon 40, in dem darauf folgenden Jahre 140, im J. 1780 300 und im J. 1805 600 Menschen beschäftigte. Die im J. 1809 durch Kriege erfolgten störenden Verhältnisse, unter welchen die Einverleibung des Paßauer Gebietes, der damaligen einzigen Bezugsquelle der Porzellanerde, mit Bayern, und das Verbot der Einfuhr von Kaffe, für die Fabrik die empfindlichsten waren, verminderten den Betrieb derselben 'bedeutend. NaCh den glücklichen Kriegsereignissen vom J. 1813 (hob sie sich wieder, konnte jedoch wegen der neu eingetretenen Konkurrenz mit mehreren Privatfabriken, welche durch ihre Lokal Verhältnisse besonders begünstigt sind, die vorige Ausdehnung nicht erlangen. Dessen ungeachtet war sie im Stande, bis zum J. 1822 nicht nur alle von der Staatsverwaltung für sie verwendeten Kapitalien izurückzuzahlen, sondern auch über 1V 2 Mill. Gulden C. M., als reinen Gewinn, an die Staatskasse äbzuführen. Sie beschäftigt gegenwärtig 250 Individuen, darunter 80 Maler, und verarbeitet täglich 5V 2 Ztr. Porzellanmasse und 80 Ztr. feuerfesten Thon. Zur Erzeugung der Porzellan- inasse beziehet sie beinahe ausschließend die vorzüglich weiße und feuerfeste Porzellanerde aus Böhmen und Ungarn, statt 'der früher von Paßau und Bren- ditz (in Mähren) eingeführten. Die rohen Materialien weiden fast durchgehends mit Maschinen zubereitet, welche eine Dampfmaschine in Bewegung setzt. Jährlich werden gegen 180.000 Stück verschiedener Fabrikate producirt, als: Tafel- und Kaffeegeschirre, ein Haupterzeugniß der Fabrik, von welchem mehr als die Hälfte mit Gold verziert wird; große Töpfe und Schüsseln, Vasen, Büsten, Grup-
6 Thomas Bruno: „Harnische“, Wolfrumbücher Nr. 6, Wien 1947.
7 Strohmer-Nowak: „Altwiener Porzellan“, Wolfrumbücher Nr. 3, Wien 1946.
8 „Bericht über die erste allgemeine österreichische Gewerbsprodukten-Ausstellung im Jahre 1835“. Gedruckt bei Carl Gerold in Wien 1835.