Heft 
1948: Zehntes Heft
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen

82

Erich Kurzel-Runtscheiner

schienen. 14 Dieser hatte isich, als der Verlag von Franz Deuticke in Wien, den Wünschen der Fachkreise Rechnung tragend, sich zu dieser Neuauflage ent­schlossen hatte, 'bereit erklärt, die den Bau von Stahlbrücken behandelnden Bände den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und den letzten Erfahrungen der Praxis entsprechend von Grund auf umzuarbeiten, ja neu zu schaffen. Professor Hartmann, der mit der ihm eigenen Tatkraft an diese umfangreiche Arbeit heran­gegangen war, sollte es jedoch nicht vergönnt sein, die letzten Früchte dieser schöpferischen Tätigkeit noch selbst zu ernten: Den Hauptteil seiner Arbeit, die l>eiden Halbbände über Balkenbrücken, konnte er zwar noch vollenden, den dritten Teil über Böigen-und Hängebrücken zu bearbeiten verhinderte ihn aberderTod. Er starb nach längerer Krankheit, fast 69 Jahre alt. am 16. Januar 1945, als sich die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges bereits bedenklich Wien näherten. Daher begleiteten auch nur wenige Freunde den Verstorbenen auf seinem letzten Weg. obwohl seine Schüler, die zu den gesuchtesten und erfolgreichsten Bauingenieu­ren konstruktiver Richtung gehören, sich stets in enger Verbindung zu ihm ge­halten hatten. Hartmann hatte es während all der Jahre seiner 1916 an der Tech­nischen Hochschule in Wien aufgenommenen Lehrtätigkeit stets als Pflicht er­achtet, seinen Hörern jene gründlichen theoretischen Kenntnisse zu vermitteln, die für /den entwerfenden Ingenieur eine unerläßliche Voraussetzung der Bewährung in der technischen Praxis bilden. Friedrich Hartmann wurde am 29. März 1876 in Troppau geboren und studierte 1894 bis 1901 an der Deutschen Technischen Hoch­schule in 'Brünn, wo er zuerst ein Schüler, dann der Assistent des Altmeisters des Brückenbaues, Professor Josef Melan, war. Dann war Hartmann durch 14 Jahre bei namhaften 'Brückenbauanstalten anfangs als entwerfender In­genieur, später in führenden Stellungen praktisch tätig. Die Forschungsergeb­nisse dieser Zeit faßt das 1913 erschienene BuchDie statisch unbestimmten Systeme des Eisen- und Eisehbetonbaues zusammen, durch das Hartmann zum Wegbereiter für die heute bevorzugte Aufstellung der Elastizitätsgleiahungen auf Grund geometrischer Verträglichkeit wurde. Im ersten Weltkrieg stand Hart­mann als Reserveoffizier zuletzt als Hauptmann und Lehrer der höheren Mathematik und des Brückenbaues an der technischen Militärakademie in Möd­ling tätig beim k. u. k. Bisenbahnregiment. Er hatte diese Lehrtätigkeit kaum erst aufgenommen, als er zum Ordinarius für Brückenbau und Stahlbau an die Wiener Technische Hochschule berufen wurde: 1928/29 war er deren Rektor, ln dieser Eigenschaft führte Hartmann auCh den Vorsitz bei der im Herbst 1928 in Wien zusammengetretenen internationalen Tagung für Brückenbau und Hoch­bau. Schon damals sprach man von einer Wiener Schule des Brückenbaues. Daß Hartmann sie begründet hatte, war dadurch anerkannt worden, daß er 1925 als einer der ersten Ingenieure als wirkliches Mitglied in die Wiener Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden war. 1928 erschien Hartmanns Werk

14 Hartmann Friedrich, Dr. Ing. f, o. Professor der Technischen Hochschule in Wien:Der Brückenbau, herausgegeben von Dr. Ing. Ernst Melan, o. Professor der Technischen Hochschule in Wien, 3. Bd., I. TeillieferungStahlbrücken, Verlag Franz Deuticke, Wien 1946.