Technikgeschichtliche Bücherschau.
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eine Wiener Sammlung, die in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des Jahres 1945 aus Sammlungsresten der Kriegsjahre gegründet wurde. Dieses nicht nur für Fachleute des Sondergebietes interessante Buch ist bedauerlicherweise so wenig bekannt, daß selbst das Technische Museum bzw. das Forschungsinstitut für Technikgeschichte, dessen Bücherei und Archiv ähnlichen Zwecken zu dienen haben, erst durch einen am 11. Dezember 1950 in der „Wiener Zeitung“ veröffentlichten Aufsatz darauf aufmerksam wurde. Trotz systematischer Bearbeitung in leicht faßlicher Sprache geschrieben — und damit auch für den Nichtfachmann geeignet —, mit Bildschmuck ausgestattet, der den Reichtum an wertvollen Archivstücken vor Augen führt, zeigt dieses Buch, dessen Verfasser der Begründer und erste Direktor des Bildarchivs Dr. Hans Pauer ist, daß es trotz Widerwärtigkeiten in einer von Hemmungen erfüllten Zeit gelungen ist, aus verstreuten und schwerbeschädigten Teilen ein Ganzes zu schaffen.
In dem von Dipl.-Ing. Robert Haardt geschaffenen und ehrenamtlich betreuten Globusmuseum besitzt Wien eine wenig bekannte, aber sehr sehenswerte Köstlichkeit. Nach anderen Sonderschauen lud dieses Museum im Juni, Juli und Oktober 1950 aus Anlaß des 300. Geburtstages des großen Geographen und Globusbauers Vincenzo Mario Coronelli (1650—1718) zu einer dessen Leben und Wirken darstellenden Ausstellung ein. Der Katalog 7 zeigt den Venezianer Coronelli als Bruder der Minoriten, als Provinzial seines Ordens für Ungarn, als Gelehrten und Globusbauer, sowie die Umwelt, in der er seine Meisterwerke schuf; es war eine Ehrenpflicht der Stadt Wien, in der mehrere Globen dieses Meisters aufbewahrt werden, auf den fast Vergessenen erneut hinzuweisen.
Eine Sonderausstellung des Oberösterreichischen Landesmuseums wies im Sommer 1949 auf „Das Eisen in Geschichte und Kultur des Landes ob der Enns“ hin. Der aus diesem Anlaß herausgegebene Katalog 8 , sowie der 62 Seiten umfassende reichbebilderte Sonderdruck „Beiträge zur Geschichte des Eisen Wesens in Oberösterreich“ 9 enthalten die Ergebnisse ergiebiger Forschungsarbeit, der es in den letzten Jahren sogar gelungen ist, bis dahin unbekannte Dokumente der Zeit ans Licht zu bringen. Dasselbe gilt vom 356 Seiten umfassenden 95. Band des „Jahrbuches des Oberösterreichischen Musealvereines“ 10 , in dem für den technikgeschichtlich Interessierten insbesondere die Arbeit von Alfred Marks „Das Leinengewerbe und der Leinenhandel im Lande ob der Enns von den Anfängen bis in die Zeit Maria Theresias“ von Wichtigkeit sein ward.
7 Robert Haardt: „Ausstellung Coronelli zum 300. Geburtstag des großen Geographen“, mit 1 Bildnis und 3 Abbildungen, Wien 1950.
8 „Das Eisen in Geschichte und Kultur des Landes ob der Enns“, Katalog der Sonderausstellung 1949 des Oberösterreichischen Landesmuseums, herausgegeben von Dr. Franz Pfeffer, Linz 1949.
9 „Beiträge zur Geschichte des Eisenwesens in Oberösterreich“, Sonderabdruck aus den Oberösterreichischen Heimatblättern, Jg. 3, Heft 3, im Rahmen der Schriftenreihe des Institutes für Landeskunde von Oberösterreich, herausgegeben von Dr. Franz Pfeffer, Linz 1949.
10 „Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines“, 95. Band, Schriftleitung Eduard Strassmayr (Geschichte) und Wilhelm Freu (Naturwissenschaften), Linz 1950.