Technikgeschichtliche Bücherschau.
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Ur- und Frühgeschichte an Hand von Pflanzenresten dienen; sie sollte zweitens ein Mahnruf an alle sein, die, wie insbesondere die Bauschaffenden und die mit Bodenarbeiten Befaßten es sind, gefundene Pflanzenreste zu schonen und ihre wissenschaftliche Bearbeitung zu ermöglichen; und drittens sollte Wernecks Werk die Entwicklung der heimischen Kultur- und Nutzpflanzen — denen 16 Abbildungen von solchen gewidmet sind — auf Grund von Forschungen über deren Ur- und Frühgeschichte vor Augen führen; es ist sicher, daß der bodenkulturellen Wissenschaft aus dieser Arbeit Nutzen erwachsen wird: ist sie doch eine Art „Grundbuch des Fundbestandes“ von im Boden Oberösterreichs gefundenen Pflanzenresten geworden.
Forschungszielen ähnlicher, jedoch weitergespannter Art dienen die in zwangloser Folge erscheinenden Hefte „Archaeologia Austriaca, Beiträge zur Paläanthro- pologie, Ur- und Frühgeschichte Österreichs“ 35 , die seit 1948 unter der Schriftleitung des o. ö. Professors Richard Pittioni vom Anthropologischen Institut und vom Urgeschichtlichen Institut der Universität Wien herausgegeben werden. In den sechs bis nun erschienenen Heften sind für die Technikgeschichte folgende Aufsätze von Interesse: Martin Hell „Altbronzezeitliche Wohnstätten in Salzburg-Itzling und Hausformen der Hallstattzeit aus Salzburg-Liefering“ (Heft 1, 1948), Friedrich Morton, Direktor des Hallstätter Museums „Zur Frage der Grubenarbeit im Hallstätter Salzbergwerk“ (Heft 2, 1948), Franz Juraschek „Der langobardische Fuß und die vorkarolingische Martinskirche in Linz“ (Heft 4, 1949), sowie „Das vorromanische duodekadische und das dekadische System der Römer“ (Heft 6, 1950). Diese Hefte sind schon jetzt zum vielbeachteten zentralen Sprachrohr der heimischen Bodenforschung geworden. Die Abbildung der 1932 bei Hallein gefundenen Dürrnberger Schnabelkanne, die als Signet den Umschlag der Hefte ziert, erinnert daran, daß das einst so eindrucksvolle Salzburger Landesmuseum, zu deren Zimelien diese Kanne gehört, nach der Zerstörung des diese Sammlungen beherbergenden Baues durch Bombenw r urf, noch immer heimatlos ist. Mögen diese Zeilen mit dazu beitragen, daß diesen musealen Schätzen eine neue würdige Unterkunft bereitet werde!
Nun wenden wir uns jenen Heftreihen zu, die die meist kurzweg „Ciba“ genannte Chemische Industrie Aktiengesellschaft Basel seit Jahren herausgibt. Entsprechend den beiden Erzeugungssparten des Unternehmens behandelt die eine, „Ciba Zeitschrift“ 36 genannte Reihe medizinisch-pharmazeutische Themen, die zweite, „Ciba Nachrichten“ 37 genannte Reihe Themen aus allen Gebieten der Textilindustrie. Jedes der zahlreichen Hefte — insgesamt über 200 — behandelt eine geschlossene Tatsachengruppe. Die Themen werden unter Beifügung wohl- ausgewählter und gut wiedergegebener Abbildungen von vorzüglichen Wissenschaftern und Historikern behandelt. Es sind Einzeldarstellungen entwicklungsgeschichtlicher Art, die oft noch niemals behandelte Bereiche in überraschender und klarer Weise durchleuchten. Die Herausgabe der Ciba-Hefte ist Werbung vornehmster Art und Förderung wissenschaftlicher Forschung auf wenig begangenen Gebieten.
3o „Archaeologia Austriaca, Beiträge zur Paläanthropologie, Ur- und Frühgeschichte Österreichs“, unter der Schriftleitung von o. ö. Professor Richard Pittioni vom Anthropologischen und vom Urgeschichtlichen Institut der Universität Wien herausgegeben, Wien seit 1948.
36 , 37 „Ciba-Zeitschrift“ und „Ciba-Nachrichten“, herausgegeben von der Ciba Aktiengesellschaft Basel.