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1955: Siebzehntes Heft
Entstehung
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Technikgeschichtliche Bücherschau

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ein ausführlicher Personen-, Orts- und Sachweiser. Insgesamt 350 Bilder und 36 Tafeln erläutern das Gesagte. Schließlich ist für das Verständnis der zahlreichen Maße aller Art sowie der ehemaligen Geldwerte eine im Anhang befindliche Tabelle von Wichtigkeit.

In seiner BroschüreVom Spinnen und Weben behandelt Friedrich Hassler 4 nach einer Einleitung über die Anfänge hauptsächlich den Aufschwung der Textil­industrie in der Zeit von der Erfindung des Schnellschützen durch Kay im Jahre 1733 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Das ist gerade jener Zeitabschnitt, der auch die sogenannte industrielle Revolution beinhaltet, als deren Faktoren man eben diesen Aufschwung der Textilindustrie zusammen mit der Erfindung der Dampf­maschine und der Eisenherstellung mit Hilfe von Kohle bezeichnen kann. Die Dar­stellungen sind vorbildlich wissenschaftlich exakt gehalten und werden nicht nur für den Technikgeschichtler, sondern vor allem auch für jeden Laien, der ein klein wenig von der Textilindustrie versteht, von großem Interesse sein. Anschließend an Hasslers Arbeit folgt eine bemerkenswerte Zeittafel sowie ein kurzer Führer durch die Textilabteilung im Deutschen Museum in München aus der Feder des Kustos A. Wissner. Abgeschlossen wird die Broschüre durch ein verhältnismäßig reiches Bildmaterial.

Bemerkenswertes Interesse erregten in den letzten Jahren immer wieder giganti­sche Rechenmaschinen, mit deren Hilfe es gelang, Aufgaben in kürzester Zeit zu lösen, zu deren Ausrechnung Menschen viele Jahre lang gebraucht hätten. Diese Tatsache sowie die weitestgehende Vollautomatisierung der Industrie beleuchtet Rolf Strehl 5 in seinem Roboterbuch, das hauptsächlich ein zusammenfassendes Referat über vorhandene Meinungen von Fachleuten darstellt. Zwar besitzt der Roboter keine schöpferischen Ideen, doch wird in dem Buch die Möglichkeit ange­deutet, daß die Arbeit der Automatengehirne das menschliche Gehirn ähnlich ent­lasten und ersetzen würde wie die Dampfmaschine die Muskelkraft. Strehl schreibt sehr interessant und außerordentlich packend, was aber in diesem Fall vielleicht eine gewisse Gefahr in sich birgt, daß der Laie daraufhin die Fähigkeiten des Roboters in mancher Hinsicht zu überschätzen geneigt sein wird. Erfreulicherweise werden nicht nur die bekanntesten modernen Roboter beschrieben, sondern es wird auch ein historischer Überblick über die Automaten geboten, bei dem auch Fried­rich Knauss nicht fehlt, dessen Schreibapparat im Technischen Museum ausgestellt ist. Interessant und vor allem förderlich für das Verständnis der modernen Rechen­maschinen ist die Einführung in das binäre (zweizifferige) Zahlensystem, das bei den Elektronenhirnen an Stelle unseres dekadischen (zehnzifferigen) Zahlensystems tritt. Die Bebilderung des Buches ist stellenweise etwas gewollt gruselig. Leider haben sich auch kleine Fehler eingeschlichen. So st im mt z. B. die Bildbeschriftung desAtommeilers nicht mit dem überein, was sich ein Techniker unter einem Atommeiler vorzustellen gewohnt ist.

4 Friedrich Hassler : Vom Spinnen und Weben. Deutsches Museum, Abhand­lungen und Berichte, 20. Jahrgang (1953), Heft 3. Verlag von Oldenbourg, München, Deutscher Ingenieur-Verlag, Düsseldorf, 1953.

5 Rolf Strehl : Die Roboter sind unter uns. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg 1952.