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1955: Siebzehntes Heft
Entstehung
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Fritz Sykora

Zweifellos sind viele Menschen geneigt, über die gewaltigen Ergebnisse der modernen Physik deren Entwicklung zu vergessen, obwohl die Leistungen der früheren Generationen sicherlich neben den neuesten Erkenntnissen bestehen können, wenn man bedenkt, welch primitive Mittel damals zur Verfügung standen. In diesem Zusammenhang ist daher das Buch von Carl Ramsauer 6 besonders zu begrüßen, das die ,, Grund versuche der Physik in historischer Darstellung bringt. Der Autor hat die wichtigsten physikalischen Versuche ausgewählt und wer sollte für die Auswahl kompetenter sein als ein Physiker, beschrieben und diskutiert. Das Werk ist bei aller Sachlichkeit stets interessant zu lesen, es werden jedoch gewisse Kenntnisse der Mathematik vorausgesetzt. Der erste Band umfaßt Versuche auf dem Gebiet der Dynamik, der Wärmelehre, der Optik, der Elektrizizät und des Magnetismus. Sehr übersichtlich ist auch die Darstellungsweise der am Schluß neben den reich­lichen Quellenangaben und dem Namens Verzeichnis gegebenen Zeittafel. Das Buch ist nicht nur für den, der sich speziell mit der Geschichte der Technik und Natur­wissenschaften befaßt, interessant, sondern wird darüber hinaus auch jedem Physiker etwas zu geben vermögen.

Verhältnismäßig zahlreiche Werke sind in letzter Zeit über die Geschichte der Chemie erschienen. Bedauerlicherweise haftet jedoch den nächsten drei unmittelbar im folgenden besprochenen Büchern ein gemeinsamer Mangel an: wo die Autoren an weltanschauliche oder religiöse Dinge anstreifen oder anstreifen müssen, haben sie dies in einer Form getan, die vielleicht den einen oder anderen Leser in seinen Gefühlen verletzen könnte.

Da ist es zunächst erstaunlich, welche Fülle an Stoff Paul Walden 7 in seiner Geschichte der Chemie auf dem knappen Raum von gut 100 Seiten Oktavformat bringen konnte. Er beginnt bei den ältesten bekannten Fertigkeiten der Menschen, die sich in die Chemie einordnen lassen, und endet mit der Atomchemie der Neuzeit. Er betrachtet die Geschichte vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus, ohne auf die wirtschaftlichen Auswirkungen näher einzugehen. Es ist aber keineswegs nur eine reine Aneinanderfügung der Ereignisse, sondern der Autor bespricht auch die philosophischen Voraussetzungen und Grundlagen der einzelnen Theorien. Das Buch setzt jedoch beim Leser eine gewisse Stufe chemischer Kenntnisse voraus. Am Schluß finden wir ein Namensregister und ein Literaturverzeichnis. Die Kenntnis dieses Buches wird bei all seiner Kürze den Gesichtskreis des Chemikers wohl wesent­lich erweitern.

Walter Greiling erzählt in seinem BuchChemie erobert die Welt 8 , in zwangloser Folge aneinandergereiht, eine Auswahl der wichtigsten Kapitel aus der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte. Die Chemie ist hiebei der Ariadnefaden, der die einzelnen Abschnitte organisch miteinander verbindet. Aber man glaubt Greiling gerne die immer wieder hervorgehobene Behauptung, daß die Chemie

6 Carl Ramsauer: Grund versuche der Physik in historischer Darstellung. l.Bd.: Von den Fallgesetzen bis zu den elektrischen Wellen. Springer-Verlag, Berlin-Göttingen - Heidelberg 1953.

7 Paul Walden: Geschichte der Chemie. Athenäum-Verlag, Bonn 1950.

8 Walter Greiling : Chemie erobert die Welt. Econ-Verlag GmbH., Düsseldorf 1951.