Technikgeschichtliche Bücherschau
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auch in Wirklichkeit ein wesentliches Bindeglied der einzelnen Industrien untereinander darstellt und man ist, auch wenn man es schon weiß, geradezu überrascht, wie sehr die einzelnen Sparten miteinander verflochten und voneinander abhängig sind, wenn es einem in so eindringlicher und betonter Form, wie in diesem Buch, vor Augen gehalten wird. Die Sprache des Autors ist blendend und es wird mehr als einmal der Beweis erbracht, daß Zahlen und Statistiken am richtigen Ort und in der richtigen Form auch für den Laien fesselnd und interessant sein können. Greiling beginnt in seinem Buch mit Dr. Roebuck, dem Arbeitsgefährten von James Watt, und führt den Leser durch zw'ei Jahrhunderte, durch zw'ei Weltkriege bis zur Schilderung der Probleme der chemischen Wirtschaft von heute, bis zur Atomchemie und Photosynthese. Der Techniker wird sich bewußt, wie sehr jeder seiner Zweige über die dazu nötigen Materialien mit der Chemie verbunden und von dieser abhängig ist. Und der Laie w r ird mit Interesse verfolgen, welche spannungsreiche und interessante Geschichte, welche unwahrscheinliche Entstehungsursache so manche Gebrauchsstoffe des täglichen Lebens haben und wie so mancher durch sie emporgestiegen ist, während andere verarmten. Er wird darüber staunen, daß es Industriekonzerne gibt, deren Machtfülle ohne weiteres mit der eines mittelgroßen Staates zu vergleichen ist. Allerdings wird dem kritischen Historiker auf- fallen, daß nicht unterschieden ist zwischen konkreten Tatsachen und unwahrscheinlicher Überlieferung. So fährt z. B. Papin wüeder einmal in einem Dampfboot auf der Fulda.
In der „Geschichte des Goldes“ von Quiring 9 sind in besonders glücklicher Weise chemische und historische wissenschaftliche Exaktheit mit einer ausdrucksvollen und interessanten Sprache gepaart. Der Verfasser hält in seinem Werk eine geschichtliche Gliederung nach Steinkupfer- und Kupferzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Mittelalter und Neuzeit ein. Diese großen Kapitel sind jeweils nach geographischen Gesichtspunkten weiter unterteilt. Die Angaben des Autors sind außerordentlich reichhaltig und detailliert. Am Ende jedes Abschnittes finden wir ein darauf bezügliches Literaturverzeichnis. In diesem Buch wird das Gold in Beziehung gebracht zur Wirtschaft und Kultur und der Autor versucht, den Nachweis zu führen, daß die Blütezeiten des Goldes vielfach mit den Blütezeiten der jeweiligen Kultur zusammenfallen. Eine überaus große Anzahl von Tafeln und Tabellen sowie zahlreiche Bilder tragen das ihrige zur Übersicht und Belebung bei. Die ungeheuer vielen Zahlenangaben sind sorgfältig ausgewählt und jede derselben wird auf Interesse stoßen.
Einer sicherlich dankenswerten Aufgabe hat sich E. Pilgrim unterzogen, um uns in seiner „Entdeckung der Elemente“ 10 vertraut zu machen mit der Geschichte unseres Wissens um die Materie. Die Einführung des Buches beschäftigt sich kurz mit dem Stand der Kenntnis von den Elementen — oder was man darunter verstanden hat — und mit den Grundzügen der Chemie, angefangen vom Altertum bis zur Harnstoffsynthese Wöhlers in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anschließend folgt die Geschichte der Entdeckung eines jeden einzelnen Elementes,
9 Heinrich Quiring: Geschichte des Goldes. Ferdinand Enke-Verlag, Stuttgart 1948.
10 E. Pilgrim: Entdeckung der Elemente. (Mit Biographien ihrer Entdecker.) Mundus- Verlag, Stuttgart 1950.
Technikgeschichte, 17. Heft.
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