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1955: Siebzehntes Heft
Entstehung
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Fritz Sykora

wältigt. Das Buch ist in englischer und französischer Sprache geschrieben, mit kurz gefaßtem deutschen Anhang. Das Schwergewicht der Gestaltung liegt jedoch auf dem Bildbericht mit Hilfe von wunderbar geschauten Photos sowie tech­nischen und figuralen Zeichnungen, einer Schriftart, die wohl von allen Architekten aller Länder verstanden wird.

Als weitere Veröffentlichung auf demselben Gebiete möchten wir eine kurze Übersicht, einen Querschnitt gleichsam durch das Schaffen eines der eigenwilligsten und bedeutenden Architekten unserer Zeit, Frank Lloyd Wright 14 , anführen. Im Jahre 1951 wurde in Philadelphia eine Ausstellung über das Lebens werk dieses Mannes veranstaltet, die dann nach Europa transferiert wurde. Der Schweizer Architekt Werner Moser hat nun, sozusagen als Erinnerung für den Ausstellungs­besucher, versucht, in einer kurzen Bildreportage einen gewissen Überblick über das 60 Jahre umfassende selbständige Wirken Wrights zu vermitteln. Pläne und zum Teil farbige Photographien sowohl von den fertigen Bauten als auch von deren Modellen führen uns in zwangloser Folge seine bedeutendsten Bauwerke vor Augen. Die Bildbeschriftungen sind durchwegs in deutscher und englischer Sprache. Zwi­schen die Bilder gleichsam eingestreut sind einige kurze Aufsätze von und über Wright und die Art seiner Tätigkeit innerhalb seiner Arbeitsgemeinschaft in Taliesin-Ost im Sommer und Taliesin-West im Winter. Wenn die Bilder vom un­geheuren Ideenreichtum Wrights zu überzeugen vermögen, so legen die Worte seiner Aufsätze Zeugnis vom kompromißlosen Willen ab, bessere Wege zu weisen. So ist es doch bestimmt eine mutige Tat, wenn er als Amerikaner schreibt :Dieser natürliche Reichtum . . . kann nur entstehen, wenn man lernt, die Maschine richtig zu beherrschen und zu nutzen nämlich als reines Werkzeug anstatt sie anzu- beten als Geldquelle. Eine Ansicht, die wohl richtungweisend für alle Industrie­lenker der Welt sein sollte.

Daß man heute der Technikgeschichte in immer größerem Maße die gebührende Aufmerksamkeit schenkt, findet seinen Ausdruck unter anderem in der Tatsache, daß man darangeht, alte Dokumente einem breiteren Publikum durch Neudrucke nahe­zubringen. Besonders die Schriften der Bergbaukunde werden solcherart erneut verbreitet. Die neueste Erscheinung auf diesem Gebiet stellt nun die Herausgabe des wohl ältesten deutschen bergmännischen Reimdokumentes, derMäre vom - Feldbauer, dar, die mit Liebe und Sorgfalt von Franz Kirnbauer und Karl Leopold Schubert 15 besorgt wurde. Das Buch enthält neben dem Abdruck des Originaltextes dessen (erste veröffentlichte) neuhochdeutsche Übersetzung. Die Märe vom Feldbauer ist enthalten im Codex Palatinus Germanicus 341 und wird mit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert, wie wir dem germanistischen Kommentar des Buches entnehmen. Der Inhalt der Märe bringt die alte und leider immer neue Geschichte vom Betrüger, der in diesem Buch ein Feldbauer so nannte man damals die Bergleute ist, der sich vom reichen Gläubiger immer wie­der Geld ausborgt, um das Erz zu heben, das aber nur in seiner Phantasie existiert.

14 Frank Lloyd Wright. Herausg. von Werner M. Moser, Verlag Buchdruckerei Winterthur AG., Winterthur 1952.

15 Franz Kirnbauer und Karl Leopold Schubert: Die Märe vom Feldbauer. Mqntan- Verlag, Wien 1955.

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