Technikgeschichtliche Bücherschau
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Der mittelhochdeutsche Text des Buches stützt sich auf die seinerzeitige Veröffentlichung (1856) von Universitätsprofessor Franz Pfeiffer in seiner Zeitschrift „Germania“. Das Buch, dessen weitestgehende Verbreitung wohl sehr wünschenswert ist, enthält auch einige schöne Photographien alter Handschriften. Die montanistischen Erläuterungen sind sehr ausführlich und enthalten insbesondere auch die Übertragung der alten Maßangaben in unsere modernen gewohnten Einheiten.
Bevor wir zu den Biographien übergehen, möchten wir noch ein Buch erwähnen, das die Frage nach dem Sinn der Technik berührt und zugleich eine Autobiographie darstellt: „Menschen, Völker und Maschinen“, die „Erinnerungen eines alten Ingenieurs“, von Friedrich Münzinger 16 . Wir erleben hier einen Aufstieg bis zur Weltkapazität auf dem Gebiete der Dampf kraft, der aber nicht auf Zufall und Chance beruht, sondern vielmehr auf Fleiß und Tatkraft, Wissen und Zuverlässigkeit, Gerechtigkeitssinn und Taktgefühl. Die Schilderung seines Lebens ist nur der Rahmen für die Meinung des Philosophen Münzinger. Der Autor setzt sich mit einer Unzahl von Problemen auseinander, die entstanden sind durch die Wechselwirkungen zwischen Menschen und Maschinen, Wirtschaft und Macht und Naturwissenschaften. Ob er nun zeigt, wie auch im Besetzungsregime Intelligenz und Kenntnis die plumpe Macht in Erstaunen versetzte, ob er sich offen zur Gegensatz- losigkeit zwischen Naturwissenschaft und Religion bekennt, ob er die Probleme zwischen Ost und West erörtert oder ob er sich in seinem letzten Kapitel „Was nun ?“ mit Zukunftsproblemen befaßt, immer betont er den Primat des Geistes. In flüssiger und oft amüsanter Art geschrieben, enthält das Buch, aus einer reichen Lebenserfahrung geschöpft, eine große Anzahl außerordentlich lehrreicher Episoden und eine Stellungsnahme zu den mannigfachsten Problemen des Lebens, deren Kenntnis für viele Leser von Nutzen sein kann und wohl auch sein wird.
Unter den Biographien möchten wir an erster Stelle ein Buch erwähnen, das einem Mann gewidmet ist, der sehr zu Unrecht im Schatten derer steht, deren Mitarbeiter und ebenbürtiger Weggenosse er war: Wilhelm Maybach 17 . Die Lebensgeschichte dieses großen Technikers schreibt Kürt Rathke in so ansprechender Weise, daß man sein Buch sicher von der ersten bis zur letzten Seite mit großem Interesse, geradezu mit Spannung, lesen wird. Einzelne Szenen sind äußerst lebendig gestaltet, wodurch allerdings die Gefahr bestehen mag, daß die exakt-historische Treue etwas verwischt wird. Dadurch wird wohl dem Buch eine verdiente und weitgehende Verbreitung sicher sein, was bestimmt dazu beitragen wird, daß Maybach im Rahmen der allerbedeutendsten Pioniere im Motoren- und Automobilbau die gebührende Beachtung findet. Wenn der Autor aber zu historischen Rückblicken ausholt, dann sollte er mit der „Lebendigkeit“ nicht so weit gehen, daß er die Zuschauer über die „Dampfbootfahrt“ des berühmten Papin staunen läßt, die dieser wohl niemals durchgeführt hat, wie wir schon einmal in dieser Bücherschau kritisieren mußten. Natürlich mußte die Maybach- Biographie zugleich eine Geschichte des Benzinmotors werden, war doch Maybach der führende Konstrukteur der
16 Friedrich Münzinger : Menschen, Völker und Maschinen (Erinnerungen eines alten Ingenieurs). Verlag für angewandte Wissenschaften, Baden-Baden 1955.
17 Kurt Rathke: Wilhelm Maybach. Verlag Robert Gessler KG., Friedrichshafen 1953.