Heft 
1955: Siebzehntes Heft
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen

146

Fritz Sykora

Buches sind so gehalten, daß sie es dem Leser leicht machen, sich um Jahrhunderte zurück zu versetzen. Am Schluß des Buches befindet sich neben Faksimilien ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Von besonderem Interesse unter den zahlreichen erschienenen Festschriften so­wohl wegen der Autorität der Personen, die darin zu Worte kommen, als auch wegen der großen Bedeutung des Ereignisses, dessen darin gedacht wird, ist das Buch der Klöckner-Humboldt-Deutz-AG.75 Jahre Otto-Motor 23 . Aus demselben Anlaß fand im Jahre 1951 in Köln eine wissenschaftliche Tagung statt, die in einem Fest­akt am 19. Oktober ihren Höhepunkt und Abschluß hatte. Die Klöckner-Humboldt- Deutz-AG. hat nun in einer Gedenkschrift die Vorträge und Ansprachen, die bei dieser Feier gehalten wurden, herausgegeben. Das Buch enthält einleitend die begrüßende Ansprache des Vorsitzenden des VDI, H. Bluhm. Es folgt der Aufruf von A. Nägel aus dem Jahre 1936, in dem dieser vorschlägt, alle Motoren,die durch Gemischansaugung, Vorverdichtung und Fremdentzündung gekennzeichnet sind, als Otto-Motoren zu bezeichnen. Daran schließt sich die Gedenkrede auf Nikolaus August Otto von E. Flatz, in der das Leben N. A. Ottos in lebendiger Weise geschildert und seine Leistung entsprechend gewürdigt wird. Anschließend zeichnet der Oberbürgermeister der Stadt Köln, R. Görlinger, das Leben in Köln zur Zeit der Erfindung Ottos und deren Einfluß auf die Entwicklung der Stadt. M. Meyer überbringt als Rektor die Grüße der Universität Würzburg, deren Ehren­doktorat Otto bloß fünf Jahre nach seiner Erfindung bereits erhalten hatte. Der Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, W. Fucks, weist auf die Bedeutung der modernen Technik für die Menschheit hin; waren doch die alten Kulturen in ihrer Blüte überhaupt nur möglich dadurch, daß die Hälfte oder mehr der Bevölkerung der Menschen als vollkommen rechtlose Sklaven die Rolle im Dienste der anderen verrichten mußten, die heute die Maschinen erledigen. Die heutige Energieerzeugung stellt jedem Menschen das Äquivalent von 60 bis 70 Arbeitskräften zur Verfügung. Der Rektor der Universi­tät Köln, Th. Wessels, betont als Volkswirtschaftler die Notwendigkeit der Zu­sammenarbeit seiner Disziplin mit der Technik. Bundespräsident Th. Heuss hebt die Bedeutung der Technikgeschichte hervor und geht bemerkenswert datailliert und in wundervoller Diktion auf einige Kernprobleme bei der Erfindung des Otto- Motors und gewisse Zusammenhänge und Parallelen in der Geschichte der Natur­wissenschaften und Technik ein. Abschließend ist die großangelegte und großartige Festrede von F. Schnabel,Der Aufstieg der modernen Technik aus dem Geiste der abendländischen Völker, wiedergegeben. Schnabel führt hierin den Beweis, daß die technische Entwicklung im modernen Sinne als Voraussetzung eine Atmo­sphäre haben mußte, wie sie damals nur im Abendlande anzutreffen war zwischen Schottland, von wo James Watt stammte, und Florenz, wo Galilei zu Hause war, zwischen Paris, das jahrhundertelang Hauptsitz der exakten Natur­wissenschaften gewesen ist, und der deutschslawischen Ostgrenze, auf der Ko- pernikus gelebt hat.

23 75 Jahre Otto-Motor. Im Selbstverlag der Klöckner-Humboldt-Deutz-AG., Köln 195^.