Aufsatz 
Überflüssigwerden, reparieren und ermächtigen. Facetten eines anthropozentrischen Diskurses um die technische Ersetzung der Menschen / Martina Heßler
Entstehung
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Martina Heßler

Rede, obgleich doch nichtder Mensch, sondern nur eine menschliche Tätig­keit ersetzt wird . 5

Die Geschichte der Ersetzung ist damit zugleich eine Geschichte von Men­schen- und Maschinenbildern, von menschlichen Selbstverständnissen und Gesellschaftsentwürfen, von Konflikten um die Position der Menschen in einer technisierten Welt und schließlich eine Geschichte des Anthropozentrismus. Die Geschichte der Ersetzung von Menschen durch Maschinen repräsentiert damit, dies zu zeigen ist das dritte zentrale Anliegen des Beitrags, ein Narrativ, das in seiner dualistischen Mensch-Maschinen-Logik den Blick auf die unlös­baren Verflechtungen von Menschen und Maschinen verstellt.

Nach einem kurzen Blick auf die historisch enge Verknüpfung des Maschinen­begriffs mit der Idee der Ersetzung menschlicher Tätigkeit wird dies im Folgen­den an historischen Beispielen in verschiedenen Feldern gezeigt. Der Beitrag legt den Schwerpunkt auf die Frage der Ersetzung in der Geschichte der Arbeit, einem Feld, in dem Ersetzung am häufigsten verhandelt wurde und gegenwärtig erneut wird, und das den meisten Platz in diesem Beitrag einnehmen wird. Es ist jedoch wichtig, den Blick zu weiten. Denn Ersetzungen fanden und finden zunehmend auch im Bereich des Sozialen und des menschlichen Körpers statt. Hier sind die Argumentations- und Legitimationsweisen, Ängste und positive Erwartungen andere als im Bereich der Arbeitswelt. Stets geht es jedoch um die Frage, was Menschsein ausmacht und was am und vom Menschen tech­nisch ersetzt werden darf.

Maschinenbegriff und Ersetzung

Betrachtet man den Maschinenbegriff historisch, so zeigt sich bereits dessen Ambivalenz: einerseits sind Maschinen Hilfs- und Steigerungsmittel der Men­schen, andererseits dienen sie der Ersetzung menschlicher Tätigkeiten. Diese Ambivalenz ist bis heute für den Begriff der Ersetzung charakteristisch. Bis in das späte Mittelalter hinein meinte Maschine zumeistHilfsmittel zum Heben schwerer Lasten. Der Begriff bezog sich beispielsweise auf Baugerüste oder Hebekonstruktionen . 6 Maschinen wurden damit als Unterstützungen bzw. Aus­dehnung menschlicher Kräfte gedacht, also als Entlastung und Ermächtigung

5 Vgl. ausführlicher hierzu: Martina Heßler: Obsoleszenz der Menschen? Interpretationen des Mensch-Maschinen-Verhältnisses in der Moderne, in: Dietrich Böschung, Timo Kaerlein, Stefan Udelhofen (Hg.): Kulturelle Figurationen der Obsoleszenz. Würzburg 2019, S. 99-114.

6 Marcus Popplow: Maschine, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Band 8. Stuttgart, Weimar 2005, S. 72.

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