Überflüssigwerden, reparieren und ermächtigen
der Menschen. Im 1 6. Jahrhundert zeigt sich allerdings eine interessante Verschiebung. Nun meinte machina, „in erster Linie Anlagen, die bestimmte Arbeitsprozesse ohne menschliche Eingriffe selbständig ausführten.“ 7 Formuliert wurde hier die Vorstellung der Maschine, die ohne Menschen arbeiten kann. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der technischen Literatur der Zweck einer Maschine schließlich klar definiert: Sie solle „gewisse nützliche Verrichtungen [...] bewirken, welche sonst nur durch die Arbeit belebter Wesen, insbesondere durch menschliche Handarbeit, vollbracht werden können.“ 8 Eine Maschine, so zeigt sich hier, sollte menschliche Handarbeit ersetzen.
Ähnliches lässt sich für den Begriff der Automatisierung nachzeichnen, der schon früh, wie im folgenden Abschnitt noch ausgeführt wird, mit der Ersetzung der als defizitär gedachten Arbeitskraft verknüpft wurde, jedoch auch immer wieder als Hilfsmittel und als Befreiung der Menschen von ungeliebten Tätigkeiten einherging und sich dabei keineswegs nur auf die Ersetzung von Handarbeit bezog, sondern schon seit dem 17. Jahrhundert mit den ersten Rechenmaschinen auch auf die Ersetzung geistiger Tätigkeiten.
Ersetzung der Menschen in der Arbeitswelt
Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurde der Einsatz von Maschinen mit der Idee der Ersetzung menschlicher Arbeit verbunden, um Kosten zu sparen. 9 Seitdem gehört dies zu den Selbstverständlichkeiten unternehmerischen Handelns. Unternehmen verbanden den Einsatz von Maschinen in der Regel mit dem Kalkül der Senkung von Lohnkosten, aber sie betonten auch, dass die Ersetzung der Menschen die Qualität der Produkte erhöhe. Andrew Ure konstatierte in seinem Buch Philosophy of Manufacture 1835, der zu Unregelmäßigkeiten neigende Arbeiter sei durch Werkzeugmaschinen zu ersetzen, da die Maschine besser arbeite. 10 Die Einschätzungen, dass Menschen müde würden, Fehler machen, ungenau arbeiten, gar streiken, sind Legion und sollten vielfach die Ersetzung menschlicher Tätigkeiten durch Maschinen legitimieren. * 11 Zu diesen Visionen
7 Marcus Popplow: Neu, nützlich und erfindungsreich. Die Idealisierung von Technik in der frühen Neuzeit. Münster 1998, S. 98.
8 Ebd., S. 75.
9 Ebd., S. 124.
10 Andrew Ure: The Philosophy of Manufactures. London 1835, S. 37 und 331.
11 Martina Heßler: Recht unzureichend konstruiert. Ideengeschichtliches zum fehlerhaften Menschen, in: Wespennest 196, Themenheft Mensch und Maschine (2015), https://www.eurozine. com/recht-unzureichend-konstruiert/ (25.9.2020); Martina Heßler: Fehlerhafte Menschen, in: Martina Heßler, Kevin Liggieri (Hg.): Technikanthropologie. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Baden Baden 2020, S. 303-307.
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