Astrid Weiss
welchem Nutzerjnnen und Roboter einander auf der Grundlage der Gegenseitigkeit Hilfe leisten. Der Roboter sollte nicht nur nützliche Hilfe leisten, sondern auch als Begleiter fungieren, dem auch dabei geholfen werden kann, Aufgaben zu erfüllen, damit Nutzerjnnen sich ihre Selbstständigkeit erhalten. 51 Ein häufiger Grund für ältere Menschen, in Pflegeeinrichtungen umziehen zu müssen, ist die Sturzgefahr und die damit verbundenen Verletzungen. Um dieses Risiko zu verringern, waren die „must-have“-Funktionalitäten für den Hobbit Roboter: Notfallerkennung (das Erkennen einer zuvor gestürzten Person oder dass der Sturz, während er passiert, vom Sensor erfasst wird), Notfallhandhabung (automatische Anrufe von Angehörigen oder einem Rettungsdienst, nachdem ein Notfall entdeckt wurde), sowie Sturzprävention (Suchen und Bringen bekannter Gegenstände und Aufheben von Gegenständen vom Boden, auf die Nutzerjnnen zeigen). Hobbit musste auch eine Sicherheitsüberprüfung anbieten, die Nutzerjnnen auf mögliche Risiken in spezifischen Räumen (z. B. nasser Boden im Badezimmer, rutschige Teppiche auf Holzböden) aufmerksam macht und erklärt wie diese Risiken reduziert werden können.
Die Funktionalitäten, die von der finalen Version von Hobbit zur Verfügung gestellt wurden (Hobbit PT2), basierten auf den Anforderungen die gemeinsam von Forscherjnnen mit älteren Menschen und Repräsentantjnnen aus dem Haus der Barmherzigkeit in Wien erarbeitet wurden. Der erste Prototyp (Hobbit PT1) basierend auf diesen Anforderungen wurde vor der Weiterentwicklung zu PT2 in einer Laborstudie getestet. Diese Studie erfolgte mit 49 Benutzer_ innen der Zielgruppe in Österreich, Griechenland und Schweden. Nach diesen Laboruntersuchungen kam auch der Wunsch von Studienteilnehmerjnnen und Riegepersonal auf, die Funktionalität von Hobbit um ein Fitnessprogramm zu erweitern. 52
Obwohl beim Hobbit Projekt eine intensive Beteiligung der Benutzerinnen und Repräsentantjnnen in allen Phasen der Roboterentwicklung angestrebt wurde, waren die Hauptforschungsrichtungen (z. B. das Mutual Care-Konzept oder die Sturzprävention) in der Projektvision vorgegeben und durch die Ambitionen der Forscherjnnen verstärkt. Potentielle Nutzerjnnen hatten zwar die Möglichkeit, ihre Gedanken über einen persönlichen Riegeroboter für ältere Menschen aus-
51 Markus Bajones, David Fischinger, Astrid Weiss u. a: Results of field trials with a mobile service robot for oider adults in 16 private households, in: ACM Transactions on Human-Robot Interaction 9 (2019), Heft 2.
52 David Fischinger, Peter Einramhof, Konstantinos Papoutsakis u. a.: Hobbit, a care robot supporting independent living at home: First prototype and lessons learned, in: Robotics and Autonomous Systems 75 (2016), Teil A, S. 60-78.
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