Simone Kriglstein
Aber auch das Interesse an Eye Tracking wuchs in den letzten Jahren, nicht nur für den Einsatz bei Spieltests, sondern auch als Interaktionsmöglichkeit. So wurden etwa Spielmechaniken nach Art und Weise klassifiziert, wie sie mit Hilfe von Augensteuerung umgesetzt werden können. Folgende fünf Kategorien wurden identifiziert: 1) Navigation, 2) Zielen und Schießen, 3) Selektion von Objekten und Erteilung von Kommandos, 4) implizite Interaktion und 5) visuelle Effekte. 39 Meist wird die Augensteuerung für Einzelspielerspiele als Ersatz für klassische Zeigegeräte wie etwa die Maus verwendet. Studien zeigten auch, dass Blicke eine positive Auswirkung auf die wahrgenommene soziale Präsenz und die nonverbale Kommunikation, sowohl bei kooperativen als auch in kompetitiven Spielen haben können. 40 Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Ansätze, die auch Zuschauerjnnen aktiv in das Spielgeschehen einbinden können. Eine Studie untersuchte dazu zwei Darstellungsformen, wie Blicke von Zuschauer_ innen im Spiel integriert und somit Teil des Spielerlebnisses werden können. 41 Bei einer Darstellungsform zeigt ein roter Punkt im Spiel an, wo die Zuschauerjnnen hinschauen, um den Spielerjnnen Hinweise oder Gefahren aufzeigen zu können. Bei der anderen war die Hälfte des Bildschirms verdunkelt und die Zuschauerjnnen konnten die Spielerjnnen unterstützen, indem sie durch ihre Augenbewegungen Teile der Spielwelt aufdeckten (Abb. 5). Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass je mehr die Zuschauerjnnen die Möglichkeiten hatten aktiv im Spiel dabei zu sein, desto positiver war das Spielerlebnis zwischen Spielerjnnen und Zuschauerjnnen.
Basierend auf dem Potential, dass durch blickbasierte Interaktionsmechanismen neue Spielerlebnisse ermöglicht werden können, wurde außerdem der Einfluss dieser Art der Interaktion auf das Spieldesign untersucht. Drei häufig verwendete blickbasierte Interaktionsmechanismen (Navigation, Zielen und Selektion)
39 Eduardo Velloso, Marcus Carter: The Emergence of EyePlay: A Survey of Eye Interaction in Games, in: Proceedings of the Annual Symposium on Computer-Human Interaction in Play, ACM. New York, NY 2016, S. 171-185.
40 Bernhard Maurer, Michael Lankes, Manfred Tscheligi: Where the eyes meet: Lessons learned from shared gaze-based interactions in cooperative and competitive online games, in: Entertainment Computing. 27. Jg. (2018), S. 47-59; Michael Lankes, Bernhard Maurer, Barbara Stiglbauer: An Eye for an Eye: Gaze Input in Competitive Online Games and its Effects on Social Presence, in: Proceedings of the 13th International Conference on Advances in Computer Entertainment Technology, ACM. New York, NY 2016.
41 Bernhard Maurer, llhan Aslan, Martin Wüchse u. a.: Gaze-Based Onlooker Integration: Exploring the In-Between of Active Player and Passive Spectator in Co-Located Gaming, in: Proceedings of the Annual Symposium on Computer-Human Interaction in Play, ACM. New York, NY 2015, S. 163-173.
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