Christian Stadelmann
sich eigentlich von selbst, dass mit diesen technischen Tricks nicht auf ein eigenes Bewusstsein der Maschine hingearbeitet werden kann. Genau darauf aber ist letztlich die Phantasie der Entwicklerjnnen, der Medien und der Konsu- mentjnnen fokussiert.
Nüchtern betrachtet läuft eine Entwicklung, die Zug um Zug versucht, menschliche Funktionen technisch nachzustellen, in eine Sackgasse. Aufschlussreich ist da auch eine vorsichtige Beobachtung, die allerdings einer Verifizierung bedarf: Es sind eher die Startup-Unternehmen, die, womöglich mit der Aussicht auf Kapital aus der potenten Pornoindustrie, an der Entwicklung von „Sexrobotern“ beziehungsweise geeigneter Komponenten dafür arbeiten. Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind daran offenbar überhaupt nicht beteiligt. Das wäre aber wohl notwendig, wenn man ein solch anspruchsvolles Unterfangen zielgerichtet betreiben möchte. An den einschlägigen technisch orientierten Instituten wird meines Wissens sehr viel an Mensch-Maschine-In- teraktion und Technikakzeptanz geforscht, nicht aber an Robotern, die auf sexuelle Beziehungen hin ausgerichtet sind. Es wird dort viel darüber nachgedacht, inwieweit Roboter in Riege und Betreuung eingesetzt werden können , 86 aber - zumindest Veröffentlichungen nach zu urteilen - nicht über die Umsetzung der Idee „Sexroboter“. Nach dem Stand der herkömmlichen Technik, soweit er grob überblickt werden kann, sind entsprechende Entwicklungen aus deren Forschungseinrichtungen nicht zu erwarten. Auch die allenthalben gestellte Frage, ob es der Pornobranche Vorbehalten sei, Maschinen mit Bewusstsein und Gefühlen zu entwickeln, ist ausschließlich phantasiegenährt . 87 Die Fortsetzung des technikorientierten Weges der Vortäuschung menschlicher Funktionen wird jedenfalls sein Ziel nicht erreichen. Impulse könnten allenfalls aus der Bionik kommen. Von dort her aber bleiben die Signale bislang ebenfalls aus. Es lassen sich keine Ambitionen oder konkreten Ansätze zur Entwicklung von Sexrobotern erkennen. Die synthetische sensitive Haut etwa, die jenseits der Sensorik und Software wahrscheinlich eine grundlegende Voraussetzung dafür wäre, dass man über den Austausch von Gefühlen zwischen Menschen und Robotern sprechen könnte, lässt auf sich warten. Der technische und finanzielle Aufwand für den Einsatz und die Betreuung einer bionisch entwickelten Oberfläche für einen Roboter wäre bis auf weiteres auch viel zu hoch. Darüber
86 Vgl. den Beitrag von Astrid Weiss in diesem Heft.
87 Vgl. Christoph Behrens: Sex mit einem Roboter, eine gute Idee? In: Süddeutsche Zeitung, 26.12.2016, https://www.sueddeutsche.de/wissen/mensch-und-maschine-sex-mit-einem-robo- ter-eine-gute-idee-1.3297585 (28.8.2020)
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