Heft 
2020: Band 82 (2020): Mensch & Maschine
Entstehung
Seite
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Kl: Schlägt die Maschine den Menschen?

die große Masse der Menschheit in einer dumpfen Entertainment-Kultur zurück­lässt. Und wenn Bruhn Wissenschaftler zu Wort kommen lässt, die in zurück­haltender Weise beispielsweise die nicht überprüfbaren Prophezeiungen eines Ray Kurzweil alseine Mischung aus Müll und guten Ideen bezeichnen (S. 86), dann wirkt das auf mich als Leser ein bisschen wie der doch recht simpli­fizierte Kampf vom redlichen Wissenschaftler gegen den verblendeten Weltzer­störer. Wer Sieger in diesem Kampf bleiben wird, vermag Bruhn jedenfalls nicht vorherzusagen. Insofern erweist sich der UntertitelSchlägt die Maschine den Menschen? nicht einfach als Marketing-Idee des Verlags sondern als tatsächli­ches Programm des Buches. Wiewohl die Sympathien des Autors ganz klar bei denseriösen Wissenschaftlern angesiedelt sind, zeigt er gehörigen Respekt vor denScharlatanen. Wenn er etwaselbst von ihnen annimmt, dass sie vielleicht [...] nicht in der Lage sind, die Zukunft in all ihren Facetten vollständig vorauszusagen (S. 131), dann unterwirft er sich ihren Allmachtsphantasien. Das Buch lässt einen etwas ratlos zurück. Es weiß mit interessanten und offen­bar auch gut recherchierten Episoden aufzuwarten, die Einblicke in demokra­tisch problematische Gebarungen machtbewusster Konzerne gewähren. Diese lassen sich allerdings nicht ohne Aufwand nachprüfen. Viele der Anmerkungen verweisen nämlich auf Webseiten, die nicht zu finden sind. Das ist nicht nur dem Umstand geschuldet, dass diese Seiten mittlerweile womöglich vom Netz genommen worden sind (die meisten Zugriffsdatierungen sind fünf Jahre vor Erscheinen des Buches vorgenommen worden), sondern auch, weil die jeweili­ge URL schlecht ins Buch übertragen worden ist. So kommen in einer ganzen Reihe von Weblinks Leerzeichen vor, was auf schlecht bearbeitete Umbrüche hindeuten mag, jedenfalls aber die Nachverfolgung eines Zitates - auch mit Deutungsversuchen, wie die Zeichenabfolge richtig sein könnte - nahezu ver­unmöglicht. Das ärgert genau jene Leserinnen und Leser, die sich intensiver mit dieser Lektüre beschäftigen möchten.

Diese Art der formalen Nachlässigkeit lässt sich auch inhaltlich weiter verfolgen. Wenn beispielsweise davon die Rede ist, dass Google einselbstfahrendes, automatisiertes Auto entwickelt hat,das nichts anderes ist als ein Roboter, eine autonom operierende Maschine, die ständig lernt und ihre Intelligenz aus der Datenwolke erhält (S. 9), dann wüsste man doch gerne zumindest ein bisschen genauer, was genau mit all diesen Begriffen gemeint ist. Wortwörtlich genommen klingt das nämlich ziemlich beunruhigend. Will man wirklich einer autonom operierenden Maschine, die auf diffuse, jedenfalls unkontrollierte Art und Weise ständig intelligenter wird, ausgeliefert sein?

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