Glücksmaschinen und Maschinenglück
ßen Welt“ ins Spielerische betont. Das reicht bis hin zur Kernkraft, die einen eher kurzen aber ideengeschichtlich umso interessanteren Auftritt im Spiel der Kinder absolviert hat.
Besonders intensiv arbeitet Poser in diesem Buch mit einer These des französischen Soziologen Roger Caillois, der sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Bedeutungsaspekten des Spiels auseinandergesetzt hat. Die grundlegenden Reize des Spiels - unterschiedlich gewichtet, je nachdem, um welches es sich handelt - liegen demnach im Wettkampf („agon“), im Zufall („alea“), im Rausch („ilinx“) und in der Maskierung („mimikry“). Wenig überraschend wird „ilinx“ zu einem zentralen Begriff des Kapitels über Jahrmärkte und Vergnügungsparks. Rauschhaftes Vergnügen wird hier aus schnellen und scheinbar wagemutigen Geschwindigkeits- und Richtungsänderungen bezogen. Der Umstand nun, dass diese aufgrund technischen Fortschritts ständig gesteigert werden konnten und können, legt nahe, auch hier den naturgegebenen Zusammenhang von Rausch und Sucht herzustellen. Das geschieht wohlweislich nicht explizit, weil es eine argumentative Grenzüberschreitung aus dem fassbaren Wissenschaftsbereich hinaus wäre. Aber es fällt doch auf, dass der Autor immer wieder weiche Begriffe („Sehnsucht“, „Freude“, „Freiheitsgefühl“ und natürlich „Emotion/en“) verwendet - Begriffe, die die Technik nahe an menschliches Empfinden heranführen. So ist denn auch ein Verdienst dieser Publikation, dass sie einen Beitrag leistet, die menschliche Wahrnehmung von technischen Anwendungen zu erhellen (was vielleicht gar nicht so unmittelbar intendiert ist). Der Hamburger Technikhistoriker Stefan Poser beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Themenbereich, den er uns hier in einem umfangreichen Buch vorstellt. Insofern darf man erwarten, dass man es mit einer methodisch fundierten und hinsichtlich der Quellen gut erschlossenen Abhandlung zu tun hat. Man wird auch nicht enttäuscht. Der Autor hat für seine Untersuchung nicht nur die infrage kommende Literatur umfassend ausgewertet, sondern auch Sammlungsbestände wichtiger deutschsprachiger Technikmuseen herangezogen. Überdies hat er relevante Bestände einschlägiger Archive gesichtet. Dass dabei auch Material verwendet worden ist, an das man nicht sogleich denken würde - Bestände der Baubehörde über das Volksfest „Hamburger Dom“ etwa, oder Unterlagen des Sportamts zum Rudersport und zum Bäderwesen - ist erfrischend und hat das Ergebnis auf eine eigene Weise geprägt.
Christian Stadelmann Wien
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