Aufsatz 
Aufhaltsamer Aufstieg : die Anfänge der technischen Frauenbildung in Österreich / Juliane Mikoletzky
Entstehung
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Juliane Mikoletzky

ter der bürgerlichen Stände, die längst nicht alle heiraten und infolge der weitge­henden Reduzierung der Hauswirtschaft kaum noch innerhalb ihrer Familien auf eine ökonomisch und sozial würdige Weise erhalten werden konnten, fehlte es an geeigneten Möglichkeiten, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Traditionell kamen dafür allenfalls die oft sehr abhängige Position als Erzieherin oder eine Tä­tigkeit als Lehrerin in Frage. Ein ordentliches Studium war, wenn überhaupt, dann vorerst nur an den Universitäten im benachbarten Ausland möglich.

Andererseits machten die Reformen des Bildungssystems die bestehenden Defizite des Mädchenschulwesens besonders fühlbar: Es fehlte vor allem an öffentlichen Mittelschulen für Mädchen, die eine höhere Bildung vermitteln und entweder zu einer Berufsvorbildung oder zur Maturareife führen konnten. Ers­te Abhilfe wurde hier seit den 1870er-Jahren durch private Schulgründungen geschaffen: So errichtete 1870 in Wien-Gumpendorf der Wiener Frauen-Er- werbs-Verein eineHöhere Bildungsschule mit der Zielsetzung, Töchtern bür­gerlicher Familien solide Grundlagen für einen standesgemäßen Erwerbsberuf zu vermitteln. In Graz wurde 1 873 das erste Mädchenlyzeum (ohne Matura) ebenfalls zunächst als private Anstalt errichtet. 26 Ab 1890 entstand als neuer Schultypus das sechsklassige Mädchenlyzeum ohne Matura, das allerdings mit­telfristig nicht sehr erfolgreich war, daher wurden viele dieser Mädchenlyzeen ab 1910 in sogenannte Realgymnasien oder Reformrealgymnasien umgewan­delt. Gemeinsam war diesen Schultypen, dass sie im Lehrplan einen hohen Stundenanteil an Mathematik und sogenanntenRealien vorsahen, aber in der Regel keine klassischen Sprachen. Ihre Matura berechtigte eigentlich zur In­skription an Technischen Hochschulen, erwies sich aber für Frauen wegen des generellen Inskriptionsverbots als Sackgasse. Aus den Absolventinnen dieses Schultypus rekrutierten sich daher sehr viele jener Frauen, die als erste um eine Inskription an den Technischen Hochschulen ansuchten.

Der Besuch von Knabengymnasien als ordentliche Schülerinnen war Mädchen untersagt, jedoch war in Einzelfällen seit 1872 die Einschreibung alsPrivatis- tin möglich. Dafür entwickelten sich die Lehrerinnenbildungsanstalten zu Ins­titutionen, die auf eine (an Knabengymnasien) extern abzulegende Matura vor­bereiten konnten, allerdings ebenfalls nur nach Einzelgenehmigung durch das Ministerium. Ein erstes privates Mädchengymnasium mit Maturareife wurde erst 1892 in Wien gegründet, nachdem in Prag der VereinMinerva 1890 mit einer ähnlichen Gründung vorangegangen war.

26 Vgl. dazu u. a. Friedrich, siehe Anmerkung 14, S. 71-149.

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