Juliane Mikoletzky
Der Weg zum ordentlichen Technikstudium für Frauen
Durch die Öffnung der Universitäten 1897 kam indirekt auch Bewegung in die Frage eines Frauenstudiums an den technischen Hochschulen, zuerst offenbar in den böhmischen Kronländern. 28 Hatte es im Vorfeld der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium noch jahrzehntelange Diskussionen darum gegeben, ob Frauen denn überhaupt intellektuell und physisch den Strapazen eines wissenschaftlichen Studiums gewachsen wären 29 , so wurde im Zusammenhang mit dem Technikstudium nun vor allem rechtlich argumentiert. Statt der Studieneignungsdiskussion stellte sich außerdem bald die Frage nach der „Berufsfähigkeit“ als weiterer Schwerpunkt der Debatte heraus.
Bereits 1899 bewarben sich die ersten Frauen, meist ausgebildete Lehrerinnen, als Hospitantinnen bzw. als außerordentliche Hörerinnen an der Böhmischen Technischen Hochschule in Brünn. Sie argumentierten, da es im Kronland Mähren keine Universität, aber zwei Technische Hochschulen (eine deutsche und eine böhmische) gebe, müssten diese für Landeskinder die Funktion einer Universität übernehmen, zumindest für jene Fächer, die auch an den Philosophischen Fakultäten gelehrt würden. Dieser Argumentation konnte die Unterrichtsverwaltung sich offenbar nicht verschließen, zumal die beiden Technischen Hochschulen diese Gesuche unterstützten; so wurden in der Folge eine ganze Reihe von Lehramtskandidatinnen als außerordentliche Hörerinnen oder Hospitantinnen an den beiden Brünner Hochschulen zugelassen.
Für die TH in Wien lässt sich die erste entsprechende Anfrage für 1907 nach- weisen. Die Interessentin, Mathilde Hübner, war bereits als Bürgerschullehrerin im fünften Wiener Gemeindebezirk tätig. Ihr Ansuchen auf Zulassung als ordentliche Hörerin wurde vom Rektorat aus formalen Gründen abgelehnt, weil im Organischen Statut der TH in Wien ausdrücklich von „männlichen Hörern“ die Rede sei. Nach einer Eingabe an das Unterrichtsministerium wurde Hübner bestätigt, dass ihr Maturazeugnis zwar dem Reifezeugnis für den Besuch einer technischen Hochschule entspreche, in der Monarchie aber nicht anwendbar sei, da hier das ordentliche Studium von Frauen an technischen Hochschulen eben nicht erlaubt sei. Schließlich suchte sie 1908 neuerlich beim Rektorat der TH in Wien an, einzelne Vorlesungen als Gast hören zu dürfen, was ihr
28 Für das Folgende vgl. Mikoletzky, Georgeacopol-Winischhofer, Pohl, siehe Anmerkung 3, S. 29f.
29 Siehe dazu ausführlich Heindl, Tichy, siehe Anmerkung 4, S. 27-48.
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