Juliane Mikoletzky
den mussten, wurden von diesem sämtlich „aus prinzipiellen Gründen“ abgelehnt. Ebenso erging es den Absolventinnen von Staatsgewerbeschulen, die ebenfalls mit einer Matura abschlossen, die eigentlich zu einem Studium an einer technischen Hochschule berechtigte.
Diese gesetzliche Lage und ihre rigide Interpretation durch die zuständigen Referenten des Unterrichtsministeriums führten sehr bald zu öffentlichen Protesten der Betroffenen. Seit 1908 formierten sich immer wieder Initiativen, vor allem aus den östlichen Kronländern, die eine Öffnung der technischen Studien für Frauen forderten: Polnische Studentinnen in Lemberg (1908), der „Verein der Studierenden der polnischen Universität“ und der „Verein Frauengleichberechtigung in Lemberg“ (1911) sowie Eltern von Absolventinnen der Staatsrealschulen insbesondere aus Böhmen und Mähren (1912) forderten in Petitionen mehr Ausbildungsmöglichkeiten auch in technischen Fächern für Frauen. 32 Ein Hintergrund für das starke Engagement gerade von Vertreterinnen aus den östlichen Kronländern in dieser Frage war der Umstand, dass es dort vergleichsweise wenige Mädchenmittelschulen und mehr Realschulen oder Realgymnasien gab.
Die größte Breitenwirkung scheinen jedoch die Aktionen des Wiener Akademischen Frauenvereins entfaltet zu haben. Dieser richtete in den Jahren 1908, 1909 und 1910 gleichlautende Petitionen an das Unterrichtsministerium sowie an die Rektorate aller technischen Hochschulen der Monarchie, worin er die Zulassung von Frauen zum Studium an technischen Hochschulen „unter den gleichen Bedingungen wie die Männer“ forderte; dabei wurden verschiedene Argumente vorgebracht: zunächst verwiesen die Autorinnen auf die fehlende Rechtsgleichheit für Realschulabsolventinnen, was eine Verletzung von §2 des Staatsgrundgesetzes von 1867 darstelle. Gegen das wiederholt vorgebrachte Argument mangelnder beruflicher Verwertbarkeit oder der Verdrängung von männlichen Ingenieuren am Arbeitsmarkt merkten sie an, dass die technischen Studien überwiegend für Freie Berufe qualifizierten, wo sich Absolventinnen und Absolventen ja unter Marktbedingungen in der Praxis bewähren könnten. Schließlich verwiesen sie noch darauf, dass eine Erweiterung der Studienmöglichkeiten für Frauen auch die Universitäten entlasten könne, die inzwischen von weiblichen Hörern gestürmt würden und deren Absolventinnen sich in den wenigen ihnen zugänglichen Berufen - insbesondere jenem der Ärztin und der Lehrerin - bereits gegenseitig Konkurrenz machten.
32 Vgl. zum Folgenden u. a. Mikoletzky, Georgeacopol-Winischhofer, Pohl, siehe Anmerkung 3, S. 41-83.
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