Aufsatz 
Aufhaltsamer Aufstieg : die Anfänge der technischen Frauenbildung in Österreich / Juliane Mikoletzky
Entstehung
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Juliane Mikoletzky

Gesuchen von Frauen um Zulassung als ordentliche Hörerinnen an der Che­misch-technischen Abteilung der Hochschule beiliegt. Das Rektorat befürworte­te die Zulassung und holte für seine Begründung weit aus : 34 Es stellte zunächst fest, dass sich inzwischender Grundsatz Bahn verschafft hatte, dass gleich den Männern auch Frauen einen möglichst grossen Grad von Bildung errei­chen müssen, um den ihnen von der Natur und der Stellung in der Gesellschaft zugewiesenen Aufgabe gerecht werden zu können, weshalb man ihnen auch den Zugang zum höchsten Bildungsgrad nicht mehr verweigern dürfe. Zwar sei derzeit noch nicht ausdiskutiert, ob man in der Konsequenz dann auch Frauen auf Grund von Universitätsstudien zu allen Ämtern zulassen solle. Es sei aber darauf hinzuweisen, dass es gerade in der Wirtschaft ja nicht nur dieOrdnen­den und Regierenden gebe, sondern dass Arbeitskräfte aller Stufendas Gros der menschlichen Gesellschaft bilden.Nun sind die Frauen niemals auf diesen Gebieten für unfähig erklärt worden, sondern vielmehr stetszum Mittun mit den Männern herangezogen worden. Dass sie dazu fähig seien, beweise sich gerade wieder im Rahmen der Kriegswirtschaft. Daher sei es geradezu unge­recht, dass ihnen viele Stellen im Staatsdienst, für die sie eigentlich qualifiziert wären, verweigert würden; vielmehr erleidedie menschliche Gesellschaft einen ungeheuren Schaden dadurch, dass sie eine Menge von Frauen der mittleren und höheren Stände zur sogen. Häuslichen Beschäftigung verurteilt, die in den neuzeitlichen Verhältnissen, wo alles fast konsumreif von Draussen dem Hause zugeführt wird, nur zu leicht in ein Nichtstun, dem Urgrund alles Schlechten ausartet. Ferner wurde auf den sozialen Missstand des,Aufdenmannwartens der Töchter verwiesen, zumal sich deren Heiratschancen nach dem Kriege si­cher reduzieren würden. In dieser Situation würde eine Zulassung der Frauen zum technischen Studium nicht nur eine soziale Entlastung darstellen, sondern auch für den Staat insgesamtvom größten Nutzen sein. Gibt es ja so viele technische Gebiete, auf welchen sich die Frau sehr gut, wenn nicht vorzüg­lich bewähren könnte. Wenn Frauen an der Drehbank der Geschossfabrik oder in der Schmiede auch der grössten Maschinenfabrik sich während des Krie­ges als Arbeiterinnen gut bewährt haben, so werden sie als solche auch in der späteren Friedenszeit gewiss nicht schlechter werden; vom Arbeiter aber führt der natürliche Entwicklungsgang zum Vorarbeiter und Werkmeister, und wenn

34 Das folgende ist zitiert nach: ÖSTA/AVA, K. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, Departement IX, Nr. 3330, 20.1 2.191 6/präs. 30. Jänner 1917, ZI. 2342/1 6: Rektorat der T.H. Lemberg, betrifft: T.H. Lemberg, Zulassung von Frauen als ord. Hörerinnen der ehern. Techn. Abteilung. Legatur Be­richt.

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