Juliane Mikoletzky
Heinrich Wagner, in einer Stellungnahme 1917 gemeint, der Kampf gegen die Zulassung von Frauen zu allen Fächern des Technikstudiums sei „gegenwärtig nur mehr mit dem Kampf gegen Windmühlen zu vergleichen.“ 35 Freilich wurde dabei immer betont, dass dies „unter den gleichen Bedingungen wie die Männer“ zu geschehen habe.
Dagegen zeigten sich die Landesregierungen ebenso wie die Ingenieurkammern teilweise skeptisch, insbesondere hinsichtlich der Berufsperspektiven von Absolventinnen. So sprach die Kärntner Landesregierung Frauen wegen mangelnder „Autorität, Tatkraft, Entscheidungsfähigkeit“ die Eignung für den praktischen Dienst ab, und auch die Tiroler Landesregierung bezweifelte ihre Autorität und Führungsfähigkeit „einer Menge von Arbeitern gegenüber [...] besonders in heutiger Zeit, da man viel mehr mit der Unbotmäßigkeit der Leute zu rechnen hat.“ 36 Darüber hinaus wurden standespolitisch motivierte Empfehlungen verbreitet, wie man das Unheil zumindest eingrenzen könne: So hält die Niederösterreichische Ingenieurkammer in ihrer Stellungnahme vom 20. Januar 1919 fest, dass zwar alle in ihr vertretenen Fachrichtungen dafür seien, „dass den Frauen kein Hindernis im technischen Hochschulstudium in den Weg gelegt werde“; aus standespolitischen Rücksichten stellte sie allerdings fest, „dass eine Vermehrung des Zudranges zu den technischen Berufen höchst unerwünscht ist“ und sieht sich genötigt zu fordern, „es sollten jedoch alle Maßnahmen unterbleiben, welche den Zudrang von Frauen zum technischen Studium fördern können. Die Ingenieurkammer hält die Abwendung der Frauen von ihrem natürlichen Beruf als Gattin und Mutter für ein soziales und völkisches Übel“ (Randbemerkung des Referenten dazu: „sehr richtig!“)“, dem allerdings durch einen zwangsweisen Ausschluss der Frauen von Männerberufen nicht abgeholfen werden könne. 37 Einen ähnlichen Vorschlag hatte übrigens, etwas weniger gewunden, schon Prof. Dr. Johann Sahulka von der TH in Wien im Jahre 1910 gemacht, indem er zwar für die Zulassung von Frauen zum Studium plädierte, aber versehen mit einem deutlichen Hinweis darauf, dass sie damit wohl kaum eine berufliche Zukunft hätten. 38
35 AT TUWA, Rektoratsakten, RZI. 2109-1918/19, Stellungnahme zum Zulassungsgesuch von Hermine Wranitzky.
36 Zitiert nach Mikoletzky, Georgeacopol-Winischhofer, Pohl, siehe Anmerkung 3, S. 81.
37 Stellungnahme der Ingenieurkammer für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns zur Frage einer Zulassung von Frauen zu den technischen Studien vom 20. Jänner 1919, ÖSTA/AVA, k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten/Staatsamt für Öffentliche Arbeiten, ZI. 99d ex 1919, Abt. VII, Z. 2267 -VII/ 1919.
38 AT TUWA, Sitzungsprotokolle des Professorenkollegiums 1909/10, Nr. II vom 24. November 1 909, Minderheitsvotum Prof. Dr. Johann Sahulka.
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