Aufsatz 
Aufhaltsamer Aufstieg : die Anfänge der technischen Frauenbildung in Österreich / Juliane Mikoletzky
Entstehung
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Aufhaltsamer Aufstieg

Zugleich zeichneten sich Strategien desGendering der technischen Berufs­felder ab: So meinte der Rektor der TH Graz, Franz Drobny, in einem an die Rektorenkonferenz von 1918 gerichteten Memorandum, es wäre sinnvoll, den zukünftigen Technikerinnen die (weniger prestigeträchtigen) administrativen Zu­arbeiten im Büro, als Laborantinnen oder technische Zeichnerinnen zuzuweisen, wo sieals Hilfskraft des entwerfenden Ingenieurs oder Architekten wertvolle Dienste leisten und somiteine wenigstens teilweise Entlastung der Ingenieu­re von der technischen Kanzleiarbeit und im Laboratorium angebahnt werden könne. 39

Hier wurde also neuerlich auf die alte Trennung der Geschlechtersphären in Innen undAußen zurückgegriffen, um so gewissermaßenSchadensbe­grenzung zu betreiben. Der Kern des Widerstandes richtete sich bei allen Stel­lungnahmen gegen die Aussicht, dass Frauen nicht nur den Männern allgemein beruflich Konkurrenz machen, sondern auch Ansprüche auf wirtschaftliche oder gesellschaftliche Leitungspositionen erheben könnten. Darum hatten die Ingeni­eure lange (etwa unter dem Stichwort derBrechung des Juristenmonopols in der öffentlichen Verwaltung) gekämpft, und dies sah man von Seiten der Stan­desvertretungen offenbar gefährdet.

Die erbetenen Stellungnahmen waren noch nicht vollständig beim Unterrichts­ministerium eingegangen, als der politische Systemwechsel zurRepublik Deutschösterreich erfolgte. Am 15. März 1919 trat der Sozialdemokrat Otto Glöckel sein Amt als Unterstaatssekretär für Unterricht an. Er nahm sich der Angelegenheit rasch an, und ohne noch weitere Stellungnahmen abzuwarten, erließ er mit 7. April 1919 eine Verordnung, mit der die Zulassung von Frauen zum ordentlichen Studium an technischen Hochschulen ab dem Wintersemes­ter 1919/20 gestattet wurde, bei Vorliegen entsprechender Qualifikation und soweit sieohne jede Schädigung oder Beeinträchtigungen der männlichen Studierenden nach den vorhandenen räumlichen und wissenschaftlichen Ein­richtungen der einzelnen Hochschulen Platz finden können. 40 Damit wurde eine Entwicklung abgeschlossen, deren Ergebnis bereits in der Endphase der Monarchie absehbar war. Der Text der Verordnung mit seinen vorsichtigen Ein­schränkungen trägt dabei durchaus den in der Diskussion zuvor eingebrachten Bedenken Rechnung, ebenso wie den tatsächlich gegebenen Problemen einer

39 AT TUWA, Rektoratsakten, RZI. 931 -1917/18, Beilage 1 zum Protokoll der Konferenz der Rekto­ren der Hochschulen technischer Richtung.

40 Siehe Volkserziehung. Nachrichten des österreichischen Unterrichtsamtes, Jg. 1919, Nr. 8, S. 70f.: Erlaß des d.ö. Staatsamts für Inneres und Unterricht vom 7. April 1919, Z. 7183.

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