Juliane Mikoletzky
ja bereits seit 20 Jahren als Fach an der Universität zugänglich war - tatsächlich befanden sich unter den ersten an der TH Wien inskribierten Chemikerinnen einige, die das Studium bereits an der Universität Wien aufgenommen hatten: darunter waren u. a. Adele Weinreb, die bereits 1917/18 an der Universität Wien inskribiert gewesen war, sowie Margarete Garzuly (später verh. Janke), die Vorstudien an den Universitäten Wien und Budapest absolviert hatte und auch deshalb bereits 1921 ihre II. Staatsprüfung ablegen konnte; 1923 wurde sie als erste Frau an der TH in Wien promoviert und konnte sich - ebenfalls als erste Frau - 1940 für Organische Chemie mit besonderer Berücksichtigung der Biochemie habilitieren. 45
Der Wechsel erfolgte übrigens in beide Richtungen, es gab auch Chemikerinnen, die ihr Studium an der TH in Wien begannen und später an die Universität Wien wechselten. Günstig war sicher, dass es in der Chemie bereits seit längerem etablierte Berufsbilder gab (insbesondere als Laborantinnen), und dass die Chemie eine aufstrebende Branche war.
Der zweite Bereich, in dem Frauen tatsächlich in größerer Zahl präsent waren, war die Architektur: Hier stiegen die Inskriptionszahlen insbesondere seit dem Ende der 1920er-Jahre fast konstant an, und auch der Anteil von Studentinnen an der Gesamtzahl nahm kontinuierlich zu; von drei Hörerinnen 1920/21 (= ein Prozent) auf ein Maximum von 1 26 (= 46,7 Prozent) im Jahr 1943/44. Dabei ist zu bedenken, dass die Fakultät für Hochbau (Architektur) an der TH in Wien damals eine der kleineren Fakultäten war - ganz im Gegensatz zur heutigen Situation. Günstig war sicher auch, dass es in der Architektur neben der Mitarbeit in größeren Architekturbüros auch die Möglichkeit einer selbständigen Tätigkeit gab - beide Optionen wurden von den Absolventinnen genutzt. 46 Eine sehr kleine und vor allem noch junge Studienrichtung war die der Technischen Physik - ein Studium, das erst 1921 als solches eingerichtet worden war, wobei die TH Wien hier unter Heinrich Mache eine führende Rolle gespielt hatte. Auch dieser Studiengang zog einige Frauen an; zunächst nur einzelne, bis 1944/45 steigerte sich die Anzahl der Hörerinnen jedoch auf zwölf von insgesamt 40 (= 30 Prozent). Absolventjnnen hatten offenbar gute Berufsaussichten, z. B. in der Glühlampenindustrie. Zu ihnen gehörte etwa Elisabeth Honigmann, die nach Beendigung ihres Studiums 1 932 eine
45 Vgl. dazu: https://www.frauenspuren.at/frauenspuren_gestern/pionierinnen/margareteJanke_ garzuly/ (18.9.2019); siehe auch: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich: Leben - Werk - Wirken. Wien, Köln, Weimar 2002, S. 235f.
46 Vgl. dazu u. a. die Architektinnenbiographien von Ute Georgeacopol in: Mikoletzky, Georgeaco- pol-Winischhofer, Pohl, siehe Anmerkung 3, S. 185-258.
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