Juliane Mikoletzky
Hochschullehrern frei von Diskriminierungen gestaltete, muss ebenfalls derzeit dahin gestellt bleiben.
Allerdings: wenn es um akademische Karrieren ging, und seien es auch nur die untersten Positionen, waren die Hindernisse offenbar beträchtlich. Die Anzahl der Promotionen von Frauen war sehr gering, nur zwölf in der Zeit von 1919 bis 1945, davon die Hälfte aus Chemie. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zuerst einmal ein gewisses Potential an geeigneten Kandidatinnen aufgebaut werden musste, und gerade in den Ingenieurwissenschaften war die Promotion, anders als an der Universität, ein Zweitabschluss und für viele Berufsfelder nicht notwendig. Nicht alle promovierten Frauen schlugen auch eine wissenschaftliche Karriere ein: Bis 1945 wurden an der TH in Wien insgesamt 34 Assistentinnen bzw. wissenschaftliche Hilfskräfte bestellt (die erste war 1918 Elise Lant-Ekl, eine an der Universität Wien ausgebildete Chemikerin), davon allerdings nur sechs vor 1938: Hier war die Mangelsituation der Kriegswirtschaft ausschlaggebend dafür, dass vor allem ab 1940 auch auf Frauen zurückgegriffen wurde - oft in prekären Positionen als Kriegs-Ersatzkräfte und Vertreterinnen der zur Wehrmacht eingezogenen Stelleninhaber. Eine Habilitation gelang überhaupt nur einer einzigen Frau, der schon erwähnten Margarete Janke-Garzuly, im Jahr 1940. Ihre Assistentinnenposition hatte sie allerdings schon 1932 nach ihrer Heirat mit Prof. Alexander Janke aufgeben müssen, und seitdem nie mehr eine bezahlte Stelle an der TH Wien inne gehabt.
Grundsätzlich erwies sich der Zweite Weltkrieg durchaus als Chance für Frauen, auch in technischen Berufen und in der Wissenschaft Fuß zu fassen, wenn auch nicht immer dauerhaft. 53 Die Zahl der Studentinnen stieg in den Jahren ab 1940 an allen technischen Hochschulen enorm an und erreichte bis 1944 überall einen Höchststand. Das gilt auch für die wissenschaftlichen Einstiegsstellen: An der TH Wien besetzten z. B. bei Kriegsende 21 Frauen eine Stelle als Assistentin, mehr als jemals zuvor. 15 von ihnen, also fast drei Viertel, wurden nach 1945 wegen (zum Teil langjähriger) Mitgliedschaft in der NSDAP und/ oder Betätigung als Funktionärin einer ihrer Teilorganisationen von ihrer Position enthoben. Das belegt, dass sich ein entsprechendes Engagement durchaus
53 Vgl. dazu: Juliane Mikoletzky: „Kriegsgewinn(l)erinnen“? - Die erste Generation von Technikstudentinnen an der TU Wien, 1919-1945, in: Christine Wächter (Hg.): Frauen in der technologischen Zivilisation. München, Wien 2000, S. 107-1 20. Zur Diskussion um Handlungsräume von Frauen im NS vgl. die Übersicht von Susanne Lanwerd, Irene Stoehr: Frauen- und Geschlechterforschung zum Nationalsozialismus seit den 1970er Jahren. Forschungsstand, Veränderungen, Perspektiven, in: Johanna Gehmacher, Gabriella Hauch (Hg.): Frauen- und Geschlechtergeschichte des Nationalsozialismus. Fragestellungen, Perspektiven, neue Forschungen. Innsbruck, Wien, Bozen 2007, S. 22-68.
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