Handlungsfähigkeit und Geschlecht
Medien, eine Bereicherung unserer Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten . 4 Demgegenüber fokussiert eine Reihe soziologischer Analysen aktuell die Intensivierung ökonomischer und politischer Machtverhältnisse sowie die Etablierung neuer Regime der Überwachung, Selbstoffenbarung, Selbstausbeutung, Disziplinierung und Kontrolle. Anlass hierfür sind u. a. die Macht- und Monopolstellungen von Internetkonzernen wie Facebook, Amazon, Alphabet und Microsoft 5 , die scheinbare Handlungsmacht von Bots, Robotern, Plattformen und Algorithmen sowie deren Möglichkeiten, menschliche Handlungen zu beeinflussen; oder auch Self-Tracking-Apps, die eine neue Stufe der Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle etablieren . 6 Auch die zunehmende Ubiquität digitaler Technologien stützt diese Einschätzungen; diese durchdringen den Alltag, permanent produzieren sie mit oder ohne menschliche Hilfe Daten, die von Algorithmen weiterverarbeitet werden und neue Handlungsvorschläge erzeugen. Dabei werden sie immer kleiner, unsichtbarer und in ihren Funktionen und Möglichkeiten immer undurchschaubarer . 7
Versuche theoretischer Konzeptualisierungen digitaler Handlungsfähigkeit fallen im Anschluss hieran daher insgesamt eher pessimistisch aus: Unter Bezugnahme auf Foucaults Gouvernementalitätstheorie werden digitale Technologien beispielsweise als „Prototyp neoliberaler Regierungstechnologie “ 8 gedeutet. Staab und Nachtwey weisen am Beispiel der bei Amazon eingesetzten Handscanner auf neue Formen (betrieblicher) Herrschaft und Kontrolle durch digitale Technologien hin, die die Autonomie der Beschäftigten durch engmaschige Überwachung auf ein Minimum reduzieren . 9 Zudem werden die hohen Anforderungen durch digitale Technologien im Arbeitsprozess deutlich; Selbstmanagement (in Bezug auf Informationen, Zeit, Kommunikation, Beziehungen), Offentlichsein, Selbstpräsentation und „Sharing“, aber auch der Umgang mit (normierenden und diskriminierenden) technischen Funktionen, Eigensinn und Störungen werden zu alltäglich zu bewältigenden Aufgaben, die nicht selten als
4 Stefan Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0. Frankfurt am Main 2009.
5 Ulrich Dolata, Jan-Felix Schrape: Kollektivität und Macht im Internet. Soziale Bewegungen - Open Source Communities - Internetkonzerne. Wiesbaden 2018.
6 Stefanie Duttweiler, Jan-Hendrik Passoth: Self-Tracking als Optimierungsprojekt? In: Stefanie Duttweiler, Robert Gugutzer, Jan-Hendrik Passoth u. a. (Hg.): Leben nach Zahlen. Self-Tracking als Optimierungsprojekt. Bielefeld, S. 9-42.
7 Deborah Lupton: Digital sociology. London, New York 201 5, hier S. 1f.
8 Ramon Reichert: Amateure im Netz. Selbstmanagement und Wissenstechnik im Web 2.0. Bielefeld 2008; Oliver Leistert, Theo Röhle (Hg.): Generation Facebook. Über das Leben im Social Net. Bielefeld 2011.
9 Philipp Staab, Oliver Nachtwey: Die Avantgarde des digitalen Kapitalismus, in: Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 24 (2015), Heft 6, S. 59-84.
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