Handlungsfähigkeit und Geschlecht
Noch deutlicher werden Handlungsspielräume mit und gegenüber Technik an Auseinandersetzungen, die in den letzten Jahren von User*innen geführt wurden. Die binären, stereotypen und diskriminierenden Programmierweisen und Einschreibungen in Design, Sprache und Inhalte des Internets waren und sind immer wieder Anlass, dass sich User*innen zu kollektivem Protest zusammen finden, das Design von Technik kritisieren und die Betreiber*innen oder Unternehmen auffordern, dieses zu überarbeiten. Diskussionen um die Frage, wie digitale Technologien gestaltet sein sollen, sind dabei oft auch ein Austragungsort für den Umgang mit Diskriminierungen und Ungleichheiten. So kämpften z. B. Gruppen wie „For a queer positive facebook...“ für mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Anmeldung. Facebook änderte inzwischen in der Tat seine Formulare und bietet mittlerweile 60 Optionen für Geschlecht an, auch die Dating-App Tinder gab bekannt, dass sie die Möglichkeiten der Angabe des Geschlechts auf „Druck aus der Transgender-Szene“ hin auf 35 erhöht habe. 27 Google entschuldigte sich sofort, nachdem bekannt geworden war, dass seine Gesichtserkennungssoftware Menschen mit dunklerer Hautfarbe als Gorillas klassifiziert hatte. 28 Daran wird nicht zuletzt deutlich, dass User*innen digitale Technologien als veränderbar wahrnehmen und für Umgestaltungen, die ihren Bedürfnissen entsprechen, kämpfen. 29
Digitaler Aktivismus, Sichtbarkeit für feministische Anliegen und der Kampf um Öffentlichkeiten
Die Auseinandersetzung mit dem Internet in der Geschlechterforschung war von Anfang an auch mit der Frage beschäftigt, inwiefern das Internet für Empowerment, das Erreichen größerer Öffentlichkeiten und eine Stärkung feministischer Politik nutzbar gemacht werden könnte. 30 In den vergangenen Jahren erhielt vor allem der „Hashtag-Aktivismus“ besondere Aufmerksamkeit. Unter
27 Bastian Rabeneck: Welches Geschlecht? Tinder führt 35 neue Möglichkeiten ein, in: Neue Osnabrücker Zeitung, 16.11.2016, https://www.noz.de/deutschland-welt/digitale-welt/arti- kel/806952/welches-geschlecht-tinder-fuehrt-35-neue-moeglichkeiten-ein; Von androgyn bis Zwitter, in: Frankfurter Allgemeine, 4.9.2014, http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/face- book-60-auswahlmoeglichkeiten-fuer-geschlecht-131351 40.html
28 Google entschuldigt sich für fehlerhafte Gesichtserkennung, in: Spiegel online, 2.7.2015, http:// www.spiegel.de/netzwelt/web/google-fotos-bezeichnet-schwarze-als-gorillas-a-1041693.html
29 Ausführlicher Tanja Carstensen: Gender trouble in web 2.0: Gender relations in social network sites, wikis and weblogs. International Journal of Gender, Science and Technology 1 (2009), Heft 1, http://genderandset.open.ac.Uk/index.php/genderandset/article/view/18
30 Heinrich Böll Stiftung, Feministisches Institut (Hg.): Feminist_Spaces im Netz. Diskurse, Communities, Visionen. Königsstein im Taunus 2002.
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