Aufsatz 
Zur Konstitution und Neuverhandlung von Handlungsfähigkeit und Geschlecht in Prozessen der Digitalisierung / Tanja Carstensen
Entstehung
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Tanja Carstensen

milie und neue Arbeitsteilungen . 45 Die Erwartung, dass digitale Technologien durch die Flexibilisierung von Arbeitsorten und Arbeitszeiten die Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöhen könnten, ist dabei alles an­dere als neu . 46 Gegenwärtig wird es mit Smartphone und Tablet zudem immer normaler, auch außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten und an diversen Orten - im Hotel, in der Bahn, an der Bushaltestelle, im Cafe, auf dem Spielplatz, im Urlaub und am Wochenende - zu arbeiten . 47 Über digitale Technologien mit der Arbeit vernetzt zu sein, ermöglicht eine souveränere Gestaltung des Alltags , 48 außerdem kommen diese Möglichkeiten den gestiegenen Ansprüchen der Be­schäftigten an selbstbestimmtes Arbeiten entgegen . 49

Was sich empirisch bisher zeigt, sind zumindest leichte Entspannungen und Entzerrungen des Alltags hinsichtlich der Vereinbarkeit verschiedener Lebens­bereiche durch digitale Technologien, die teilweise sogar ermöglichen, mehr zu arbeiten. Dies betrifft Frauen wie Männer; allerdings ist der Effekt insbesondere bei Frauen, die wegen Kinderbetreuung bisher Teilzeit arbeiten, am sichtbarsten. Eine Interviewte berichtet, dass sie trotz Kind nun wieder Vollzeit arbeitet, was nur geht, weil ihr angeboten wurde, auch einzelne Tage zuhause zu arbeiten: Ja, und auch, dass ich dadurch halt einen = einen Vollzeitjob überhaupt wieder machen konnte. [...] Ohne, dass ich mich völlig zerreißen muss. Eine andere beschreibt die Erleichterungen durch Homeoffice im ansonsten anstrengenden Alltag zwischen Job und kleinen Kindern:also wenn ich angerufen werde, Kind ist krank, wenn irgendwas passiert, ich kann direkt nach Hause. Ist möglich. Dann logge ich mich zu Hause ein und arbeite von dort aus weiter. Ich bin er­reichbar, das Telefon können wir umstellen. Also ich habe halt einen Arbeitsplatz zu Hause dann, ne? Also das funktioniert.

45 Ursula Huws: Shifting boundaries: gender, labor, and new information and communication technology, in: Cynthia Carter, Linda Steiner, Lisa Mclaughlin (Hg.): The Routledge Compani­on of Media & Gender. London 2014, S. 147-156; Tanja Carstensen: Verunsichtbarung von Geschlechterungleichheiten? Digitalisierte Arbeit zwischen Rhetoriken neuer Möglichkeiten und der Reorganisationen alter Muster, in: Bettina Kohlrausch, Christina Schildmann, Dorothea Voss (Hg.): Neue Arbeit - neue Ungleichheiten? Folgen der Digitalisierung. Weinheim, Basel 2019, S. 69-87; Edelgard Kutzner: Digitalisierung von Arbeit alsBaustelle einer geschlechterbezogenen Arbeitsforschung. Transformationsprozesse in der Büroarbeit, in: Arbeits- und Industriesoziologi­sche Studien 11 (2018), Heft 2, S. 211 -228.

46 Gabriele Winker (Hg.): Telearbeit und Lebensqualität. Zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Frankfurt, New York 2001.

47 Carstensen, Anforderungen, siehe Anmerkung 10.

48 Anja Bultemeier, Kira Marrs (Hg.): Frauen in der digitalen Arbeitswelt von morgen. München 201 6, hier S. 8.

49 Nadine Absenger, Elke Ahlers, Alexander Herzog-Stein: Digitalisierung der Arbeitswelt!? Ein Re­port aus der Hans-Böckler-Stiftung. Mitbestimmungsreport Nr. 24. Düsseldorf 2016, hier S. 7.

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