Tanja Carsiensen
Die (unsichtbare) digitale Hausfrau
In eine ähnliche Richtung weisen Ansätze, die sich unter dem Stichwort feminist digital labor versammeln. Hintergrund ist, dass sich insbesondere im angloame- rikanischen Raum in den letzten Jahren eine Debatte darüber entwickelt hat, inwiefern Social-Media-Aktivitäten Arbeit sind. Ausgehend von Terranovas These zu „free labor“ wird diskutiert, dass User*innen mit Tätigkeiten wie Bloggen oder Postings bei Facebook das Netz und seine Inhalte mitproduzieren. Diese sind, so Terranova, daher auch als Arbeit und - weil diese unbezahlt geleistet wird - als Ausbeutung zu betrachten. „Free labor“ ist für die Unternehmen, denen die Plattformen gehören, wertschöpfend; für die User*innen wiederum hoher unbezahlter Aufwand . 53
Diese an (post-)marxistischen Theorien orientierten Ansätze werden mittlerweile, wenn auch langsam, um feministische Perspektiven erweitert. Dabei werden u. a. die Parallelen zwischen unbezahlter Hausarbeit und digitaler Arbeit diskutiert . 54 Ähnlich sind sich beide, da sie oft un- oder schlecht bezahlt sind, als Arbeit und Aufwand unsichtbar bleiben und dabei gleichzeitig für Unternehmen Profit generieren bzw. gesellschaftlich notwendig sind. Webseiten, soziale Netzwerke und digitale Plattformen funktionieren nicht, ohne dass User*innen quasi freiwillig Inhalte hochladen, soziale Interaktionen vollziehen und affektives Engagement zeigen . 55 Hinter den bekannten und erfolgreichen Internetangeboten liegt, ähnlich wie bei Hausarbeit die unsichtbare Arbeit der User*innen und deren (massenhafte) Produktivität, die zudem oftmals in der privaten, häuslichen Sphäre geleistet wird und auf Kommunikation, Beziehungsmanagement, Affekte und Care angewiesen ist. Jarrett bemüht daher die Figur der Hausfrau, um den Charakter dieser Arbeit zu verdeutlichen: „The term, the Digital Housewife, describes the actor that emerges from the structures and practices of the ostensibly voluntary work of consumers as they express themselves, their opinions and generate social solidarity with others in commercial digital media while, at the same time, adding economic value to those sites .’’ 56
Aus Geschlechterperspektiven ist hierbei interessant, dass - zugegebenermaßen vor allem in den technikaffinen Communities - sehr viel dieser unbezahlten Arbeit auch von Männern geleistet wird. Zwar bleibt die Verbindung von Technik
53 Tiziana Terranova: Free Labor, in: Trebor Scholz (Hg.): Digital Labor. The Internet as Playground and Factory. New York 2013, S. 33-57.
54 Kylie Jarrett: Feminism, Labour and Digital Media. The digital housewife. New York 2016.
55 Ebd., S. 2.
56 Ebd., S. 4.
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