Out of the box
tion weiter und knüpft u. a. an die Theorien Jacques Derridas und Judith Butlers an. Anders als der auf einer Ebene der Interaktionen operierende Konstruktivismus bewegt die Dekonstruktion sich stärker auf der Ebene der Sprache . 21 Die Dekonstruktion identifiziert und löst feste, vermeintlich objektive Gewissheiten und Dichotomien, wie jene der Zweigeschlechtlichkeit, auf und geht der Herstellung von Geschlechterordnungen sowie den zugrundeliegenden, von Normen und Zwängen geprägten Machtverhältnissen nach . 22 Zu dekonstruieren bedeutet, Kategorien zu entnaturalisieren und zu destabilisieren. Dieses Verunsichern deckt auf, dass Geschlecht, Sexualität und Begehren durch soziale und diskursive Prozesse stets reproduziert werden (müssen), um wirksam zu sein. Dabei versteht sich die Dekonstruktion im wissenschaftlichen Sinn weniger als Methode oder Theorie, denn als Einstellung und Sichtweise auf vermeintliche soziale und kulturelle Selbstverständlichkeiten, die sich in Diskursen äußern und dadurch Alltagswissen generieren. Indem Wirklichkeiten geschaffen und Dinge benannt werden, werden Ausschlüsse produziert. Der Gedanke der Dekonstruktion ist hilfreich dabei, diese Diskurse zu hinterfragen und zu irritieren. So können historisch gewordene symbolische Ordnungen, wie beispielsweise die Kategorie Frau, als kulturelle wie sprachliche Konstrukte untersucht werden und Ausschlüsse, die auf Machtmechanismen hindeuten, sichtbar gemacht werden . 23
Die Dekonstruktion wendet sich gegen die Unvermeidbarkeit im Ansatz des „doing gender“ und sieht, anders als West und Zimmerman, das Handeln in einer Geschlechterrolle, die von der Gesellschaft unvermeidlich eingefordert wird, nicht als einzige Handlungsmöglichkeit.
queer in der (Technik-)Geschichtswissenschaft:
Geschichte ohne Binaritäten?
Im akademischen Umfeld haben sich die Queer Studies bzw. die Queer Theory konstituiert, die keine einheitliche Theorie und Disziplin, sondern ein offenes theoretisches und politisches Projekt darstellen. Sie sind interdisziplinär angelegt und begreifen „Geschlecht“ als theoretisches Werkzeug, um Normierungsprozesse kritisch zu befragen und u. a. Heterosexualität als Machtregime
21 Nina Degele: Gender/Queer Studies. Eine Einführung (= Basiswissen Soziologie, Band 2986). Paderborn 2008, S. 103.
22 Ebd. Einen kompakten Überblick über Gender und Dekonstruktion als Forschungsfeld geben Anna Babka, Gerald Posselt (Hg.): Gender und Dekonstruktion. Begriffe und kommentierte Grundlagentexte der Gender- und Queer-Theorie. Wien 2016.
23 Degele, siehe Anmerkung 21, S. 18f.
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