Out of the box
teurjnnen aus der LGBTIQ+-Community oft nur vorhanden, wenn sie Objekte des öffentlichen Interesses waren oder im Zusammenhang mit dokumentierter Kriminalität. Die Suche nach „dem Queeren“ allerdings geht mit einem Dilemma, ähnlich der Suche nach den Frauen in der Technikgeschichte, einher. Die Forschung läuft Gefahr, Differenzen im Kontrast zu Heteronormativität zu verstärken. Als Identitätskategorie oder eine Gruppe definierendes Attribut darf queer daher nicht angewandt werden, möchte man im Sinne der Queer Theory forschen und denken. Interessanter und gewinnbringend ist das Studium historischer, aber auch gegenwärtiger Quellen aus queerer, dekonstruierender Perspektive, wenn z. B. untersucht wird, welche Normen in ihnen diskursiv wiederholt werden . 27 Diese Normen müssen dabei so reflektiert werden, dass Reproduktionen von stereotypen Zuschreibungen vermieden werden. Für die rezentere Vergangenheit, in der queer als Begriff und Konzept bereits in die (wissenschaftliche) Diskussion eingeführt worden war, ist beispielsweise die empirische Arbeit mit Methoden der oral history interessant. Ein queerer Blick auf historische wie aktuelle Gegebenheiten bietet Potential für eine Präzisierung und multiperspektivische Überprüfung fachlicher Vorannahmen, ohne in anachronistische Deutungsmuster zu verfallen oder Festschreibungen vorzunehmen. Schließlich ist der Anspruch nicht, Geschichte „universell“ darzustellen, sondern verschiedene Perspektiven einzunehmen und abzubilden.
Möglichkeiten und Herausforderungen:
Ein Beispiel aus der Forschung
Nicht-Binaritäten im Leben mit Technologien in der Technikgeschichte zum Thema zu machen, dafür gibt es also vielfältige Ansatzpunkte. Dass andere wirkmächtige, hegemoniale Kategorien mit universalem Anspruch durchaus dekonstruiert werden können, zeigt sich z. B. an der Auseinandersetzung der Künstlerinnen des Raqs Media Collective mit Raum und Zeit in Form einer Uhr. Indem sie Zahlen auf dem Ziffernblatt durch Emotionen ersetzen, wird die Konstruktion von Zeit sichtbar gemacht, neu besetzt und ihre Selbstverständlichkeit befragt. Dieses Beispiel zeigt anhand eines alltäglichen Objekts, wie das Verlernen eingeübter Denkweisen und vermeintlich objektiver Tatsachen
27 Ebd.,S. 13.
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