Aufsatz 
Out of the box : Technikforschung, Museum, Gender und Queer / Sophie Gerber
Entstehung
Seite
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Out of the box

sehe Perspektive interessant. Sowohl die Objekte als auch das Handeln mit ihnen und das Wissen über sie sind Gegenstand des technikgeschichtlichen Blicks. Die Rollschuhe können als technisierter Ausdruck von Geschick, Sport­lichkeit und Schnelligkeit interpretiert werden. Diederby girls üben den Sport oft in sexualisierter, sehr feminin konnotierter Kleidung aus. Die Sportuniformen wurden in der angloamerikanischen Forschung über Roller Derby als apologeti­sche, quasi rechtfertigende Strategie gelesen, um Vorwürfen des,Männisch- oder Lesbischseins zu entgegnen. Soziologisch-ethnographische Studien, im Rahmen derer die Spielerjnnen nach der Auswahl ihrer Uniformen und deren Aneignung befragt wurden, zeigen aber, dass Roller Derby-Spieler_innen ihre Kleidung als Form eines symbolischenundoing gender interpretieren. Mit der Auswahl und dem Tragen ihrer Kleidung widersetzen sie sich aktiv gegen binä­re Gendervorstellungen und die Gleichsetzung von Sportlichkeit mit Männlich­keit . 32 Die Uniformen sind keine Rechtfertigung für die Nichtentsprechung von Geschlechternormen, sondern werden eingesetzt, um mit Genderzuschreibun- gen zu spielen: Vermeintlichmaskuline undfeminine Normen werden nach­ahmend und parodisierend gegenübergestellt. So wird die Natürlichkeit der bi­nären Geschlechterordnung durch Performativität irritiert und infrage gestellt . 33 Die Spielerjnnen begeben sich in Positionen, die nicht von der starren Binarität des Männlichen und Weiblichen eingeengt sind, auch wenn die Infragestellung überhöhter Weiblichkeit nicht unbedingt eine Untergrabung vom Standard der Zweigeschlechtlichkeit mit sich bringt . 34

Neben dieser Brechung von sich vermeintlich konträr gegenüberstehenden Gendervorstellungen, finden im Roller Derby und dessen Umfeld auch Aus­einandersetzungen um Diversität innerhalb der Kategorien weiblich und männ­lich bzw. Frau und Mann statt. Die Frage nach Beziehungen und Dynamiken unter Frauen bzw. zwischen verschiedenen Ansichten und Praktiken von Weib­lichkeiten) hat gezeigt, wie machtvolle Geschlechterverhältnisse herausge­fordert werden. Roller Derby bietet Raum, um alternative, auch innerhalb der OrdnungskategorieFrau hegemoniale oder stigmatisierte Weiblichkeiten und Außenseiterinnen zu konstruieren, aber auch wiederum zu parodisieren . 35 Diese

32 Ebd., S. 640.

33 Nancy J. Finley: Skating Femininity. Gender Maneuvering in Womens Roller Derby, in: Journal of Contemporary Ethnography 39 (2010), Heft 4, S. 359-387; Jennifer Carlson: The Female Signi- fiant in All-Womens Amateur Roller Derby, in: Sociology of Sport Journal 27 (2010), Heft 4, S. 428-440.

34 Carlson, siehe Anmerkung 33.

35 Vgl. Finley, siehe Anmerkung 33.

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