Sophie Gerber
Einschlägige Publikationen kommen aus der angloamerikanischen Forschung 40 sowie in den letzten Jahren auch aus dem deutschsprachigen Raum . 41 Um sich mit Queerness im Museum zu beschäftigen, scheint eine Vorgehensweise, die sich verschiedener Ansätze bedient, welche sich auf den ersten Blick vielleicht widersprechen und nicht entlang akademischer Konventionen, sondern interdisziplinär bewegt, ratsam. Ganz im Sinne einer „scavenger methodology“, wie Judith Halberstam eine queere Methode beschreibt, kann im Museum mit kreativen Konzepten, die sich im Arbeitsprozess entwickeln, experimentiert werden. So können beispielsweise durch eine Kombination von empirischer und autoethnografischer Forschung Informationen gesammelt und Erkenntnis generiert werden über Subjekte und Geschichte(n), die bislang aus dem musealen Blick ausgeschlossen waren . 42
Einer dieser Ansätze kann eine Neubefragung von Sammlungsobjekten sein. Denn als sich das Spektrum der als technisch wahrgenommenen Objekte, das zunächst in erster Linie aus Maschinen bestand, im Zuge der sich ausprägenden technikhistorischen Frauenforschung um weiblich konnotierte Geräte erweiterte, wurden auch Frauen als Nutzerinnen und somit technische Akteu- rinnen anerkannt . 43 Diese Entwicklung zeigt, dass die Befragung von Selbstverständnissen - in diesem Falle danach, was als technisches Wissen gilt und was ausgegrenzt wird - auch in Hinblick auf Objekte in Sammlungen neue Erkenntnisse generiert und Perspektiven eröffnet. Konkret kann das bedeuten, danach zu fragen, welche Rolle Technik für queere Lebenswelten spielte und spielt.
Die Deutungshoheit von Museen in Fragen von kultureller Relevanz und kollektivem Gedächtnis und implizite, heteronormative Vorannahmen, speziell im Umgang mit der queeren Subkultur, sind problematisch. Steorn sieht sogar die Gefahr eines „straightening“ und problematisiert Museen als Orte queerer Präsenz: ,,[T]he queer eye will always see its presence elsewhere and collect the neglected .“ 44
Aber kann ein so offenes Konzept tatsächlich in so starkem Widerspruch zum Musealen stehen? Folgt daraus nicht erneut eine starke Festschreibung von Differenz? Ist es nicht sinnvoll, den queeren Objekten und Sichtweisen Raum
40 Amy K. Levin (Hg.): Gender, Sexuality and Museums. A Routledge Reader (= Museum Studies). London u. a. 2010. Ein zweiter Band ist derzeit in Arbeit.
41 Döring, Fitsch, siehe Anmerkung 4; Anna Döpfner: Frauen im Technikmuseum. Ursachen und Lösungen für gendergerechtes Sammeln und Ausstellen. Bielefeld 2016.
42 Judith Halberstam: Female Masculinity. Durham, NC u. a. 1998, S. 13.
43 Heßler, siehe Anmerkung 4, S. 25.
44 Patrik Steorn: Queer in the Museum. Methodological Reflections on Doing Queer in Museum Collections, in: lambda nordica 3 (2010), Heft 4: S. 135-136.
76