Aufsatz 
Out of the box : Technikforschung, Museum, Gender und Queer / Sophie Gerber
Entstehung
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Out of the box

zu geben, indem traditionelle museale Arbeit hinterfragt und reflektiert betrieben wird?

So kann ein Museum statt Ort der (Re-)Produktion von Geschlechterverhält­nissen zum Resonanzraum für gesellschaftliche Dynamiken werden, der die Re­flexion über Identitäten und die Beziehungen zwischen ihnen zulässt. Für die Praxis im historischen Museum bedeutet das, Gegenwart und Zukunft einzube­ziehen und selbstkritisch zu arbeiten. Für das stete Verhandeln von Positionen innerhalb des Museums und im Austausch mit der Gesellschaft sollten Dis­kussionsformate gefunden und partizipative Ansätze verfolgt werden. Um eine so dynamische, mehrstimmige Museumsarbeit zu ermöglichen, ist ein weiterer Ansatz unabdingbar: Die Zusammenarbeit mit den Communities. Es bedarf ku­ratorisch und sammelnd arbeitender Museumsmitarbeiterjnnen, die mit den Communities sprechen und zuhören, um gelebten Erfahrungen näherzukom­men. Offen konzipierte Sammelaufrufe sind eine Möglichkeit, eigene Deutungs­hoheiten zu hinterfragen, die Community einzubeziehen und viele Perspektiven zu ermöglichen. So wird ein Sammel-, Ausstellungs- und Forschungsansatz (für die Technikhistoriographie) verfolgt, der auf Gemeinschaften, deren Individuen und Artefakte abzielt.

Queere Dinge

Um sich Oueerness, Gendervielfalt und der Geschichte und Gegenwart von LGBTIG+ aus technikgeschichtlicher Perspektive zu nähern, bietet sich ein Fokus auf materialisierte Kultur an. Objekte machen queere Geschichte(n) in Ausstellungen und Sammlungen sichtbar, schaffen Bewusstsein und Identifi­kationsangebote. Sie können queere Inhalte, Haltungen, Kontexte und Konno- tationen tragen und dadurch Raum zum Nachdenken und Sprechen jenseits binärer Geschlechternormen eröffnen.

Es ist wichtig, gewisse, zuvor vernachlässigte Subjekte und Gruppen sichtbar zu machen, ohne Differenzen zu betonen. Aber wie ist das möglich, wenn es beim Ansatz des Oueerens um das Auflösen von Zuschreibungen und festen Identitäten gehen soll? Wie kann queer informierte Objektforschung im Mu­seum aussehen und welcher Ansätze kann sie sich bedienen? Gibt es Objek­te, die gängige Vorstellungen von Geschlecht und Gender unterwandern? Wo treffen queer und Technik aufeinander? Was sind queere Objekte, gibt es sie überhaupt und falls ja, wo sind sie zu finden?

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