Out of the box
lungs- und Museumstätigkeit werden lassen . 57 Dazu gehört, Inhalte kontinuierlich zur Debatte zu stellen und zu reflektieren, aktuelle Diskurse aufzugreifen und mit der Öffentlichkeit zu verhandeln. Die Herausforderung besteht nicht zuletzt darin, diskursive Verständnisse von Objekten sowie die Positionen von Kurator_innen und Öffentlichkeit zu dokumentieren. Wenn ich über das Objekt und seine Materialität hinaus- und Diskurse mitreflektiere, wie halte ich die Ergebnisse in einer Datenbank fest? Zu dieser Frage stehen Antworten aus. Fest steht, dass grundlegend wichtig für eine queere Forschungs- und Museumsarbeit eine regelmäßige Be- und Hinterfragung der eigenen Begriffe sowie der eigenen Position und der Deutungshoheit ist.
Fazit: Queer als Herangehensweise in Technikforschung und Museum
Queerendes Denken legt sich nicht fest, sondern nimmt mehrere Perspektiven ein. Grundlegend für ein „Queeren“ von Technikgeschichte und Museumsarbeit ist interdisziplinäres, unkonventionelles Denken „out of the box“, ein mutiger Griff in den Methodenkoffer - z. B. nach der ANT und poststrukturalistischen Ideen - und darüber hinaus, um Zugänge stetig zu hinterfragen und neu zu entwickeln, ohne beliebig zu sein.
Ein starker Fokus auf Akteur_innen und ihre Handlungen, denen sich durch Interviews und Methoden der oral history genähert werden kann, ermöglicht einen Zugang zu Erzählungen von Widerständigkeit und Unerwartetem. Diese Ergebnisse müssen Eingang in Sammlungen finden und zur Entwicklung von Ausstellungsnarrativen beitragen. Marginalisierte Stimmen sollen ernst genommen und in gesellschaftliche wie politische Arenen inkludiert werden, auch um Unkenntnis zu beseitigen, die zu steten Reproduktionen von Binaritäten und Hierarchien führt. Bisher nicht zur Sprache Gekommenes kann nur so gesellschaftliche Realität werden . 58 Die Untersuchung binärer Strukturen und Ordnungsprinzipien entlarvt auch Vorstellungen von Macht, die auf der Erhaltung des Systems der Zweigeschlechtlichkeit basieren.
Die Erweiterung um einen queeren Blick eröffnet neue, spannende Perspektiven für die zukünftige Forschung, ohne nur Modeerscheinung, Zeitgeist oder
57 Barbara Wenk: Wie (über) Technik am Museum kommunizieren? Plädoyer für ein prozessorientiertes Verständnis vom Ausstellen am Museum, in: Charlotte Martinz-Turek, Monika Sommer-Sieghart, Schnittpunkt, ausstellungstheorie & praxis (Hg.): Storyline. Narrationen im Museum (= Ausstellungstheorie und Praxis, Band 2). Wien 2009.
58 Degele, siehe Anmerkung 21, S. 103-104.
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