Dissertant innen an der TU Wien
plizit ausgesprochen, im Gegenteil sogar, also nach außen hin frauenfreundlich. Aber wenn du merkst, dass den männlichen Kollegen mehr zugetraut wird als dir - wenn es nicht ums Fachliche geht, sondern wenn man das Gefühl hat, dass Unterschiede gemacht werden -, dann ist das eine Situation, der man sich nicht aussetzen muss.“ Diese Form der Diskriminierung ist seit Jahrzehnten in vielen Studien belegt worden und zeigt sich etwa darin, dass bereits ein weiblicher/männlicher Name ausreicht, um Kompetenz ab- bzw. zugesprochen zu bekommen. In einer Studie 18 wurden beispielsweise 180 Frauen und 180 Männer gebeten, ein Mathematik-Paper zu reviewen und es von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) zu beurteilen. Die Ergebnisse zeigen eine klare Diskriminierung von Frauen - und dies nicht nur durch Männer, sondern auch durch Frauen:
John T. McKay
Joan T. McKay
J.T. McKay
Männer
1.9
3.0
2.7
Frauen
2.3
3.0
2.6
Abb. 5 Quelle: Michele Paludi, Wiliam Bauer: Goldberg Revisited: What's in an Author’s Name, in: Sex Roles: A Journal of Research 9 (1983), S. 387-390.
Ebenso zeigt sich in Peer-Review-Verfahren ein Gender Bias. 19 Bei gleichem wissenschaftlichem Output schätzen Peer-Reviewer_innen die Leistung von Frauen geringer ein als die von Männern, wobei sich eine Bekanntschaft mit Jury-Mitgliedern positiv auf die Einschätzung von Wissenschaftlerjnnen auswirkt. Auch Empfehlungsschreiben für Bewerberinnen unterscheiden sich signifikant von denen für Bewerber. So werden beispielsweise die meisten besitzanzeigenden Fürwörter so verwendet, dass sie das Genderstereotyp - Frauen als Lehrende oder Studierende, Männer als Forschende und Professionisten - verfestigen („ihre Lehre“, „seine Forschungen“). 20 Zudem ist die „Nicht-Förderung“ nachteilig für wissenschaftliche Karrieren, sogenannte Non-Events 21 : Diese zeigen sich etwa darin, dass Forschungsleistungen und -ergebnisse ignoriert werden, man keine Preise bekommt, es keine Einladung zu wichtigen formalen und informellen Netzwerken oder wissenschaftlichen Meetings und
18 Michele Paludi, Wiliam Bauer: Goldberg Revisited: What’s in an Author’s Name, in: Sex Roles: A Journal of Research 9 (1983), S. 387-390.
19 Christine Wenneräs, Agnes Wold: Nepotism and Sexism in Peer Review, in: Nature 387 (1997), Heft 6631, S. 341-343.
20 Frances Trix, Carolyn Psenka: Exploring the color of glass: Letters of recommendation for female and male medical faculty, in: Discourse and Society 14 (2003), Heft 2, S. 191-220.
21 Liisa Husu: Recognize hidden roadblocks, in: Nature 495 (2013), Heft 7439, S. 38.
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