Aufsatz 
"...aber wenn du merkst, dass den männlichen Kollegen mehr zugetraut wird als dir..." :Arbeitskontexte, Erfahrungen und Interessen von Dissertant_innen an der TU Wien / Brigitte Ratzer, Bettina Enzenhofer
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Brigitte Ratzer, Bettina Enzenhofer

Konferenzen gibt, sei es als Panel-Chair oder Keynote-Speaker_in, man wich­tigen Forscherjnnen nicht vorgestellt wird oder keine Unterstützung bei der Karriereplanung erhält. Diese Non-Events wurden in unserer Interviewstudie zwar nicht umfangreich thematisiert, eingegangen sind wir aber auf den Faktor Ermutigung, dessen Befunde sich in den Interviews als ambivalent zeigen: Der Großteil der Dissertantinnen gibt an, für die Dissertation ermutigt worden zu sein: von Lehrenden, Kollegjnnen, Freund_innen, Eltern oder Partnern - zu­weilen aber auch erst dann, wenn sie explizit danach gefragt haben, ob diese ihnen eine Dissertation Zutrauen. Manche haben keine direkte Ermutigung er­fahren, antworten aber, dass die Jobzusage (die Dissertationsstelle) auch als Ermutigung gesehen wurde. Ebenso berichten manche Dissertantinnen, dass ihnen von ihrem sozialen Umfeld eher von einer Dissertation abgeraten wurde, sie sich aber nicht davon abschrecken ließen.

Der dritte große in den Interviews thematisierte Aspekt ist die Bezahlung der Dissertation, was die Dissertantinnen wie folgt sehen: Die Arbeit an einer Dis­sertation muss zwar bezahlt werden, während des Schreibens wird jedoch vie­len bewusst, was eine akademische Karriere bedeutet und dies wird als ab­stoßend erlebt:Dass meine Kollegen meinen, man arbeitet jeden Tag bis 22, 23 Uhr, finde ich toll und ambitioniert, aber ich halte das nicht aus, ich kann das nicht. Viele Professoren sehen die Dissertation als Lebenssinn. Mir macht die Dissertation Spaß, aber mein Lebenssinn ist sie nicht. Aber mein Lebens­sinn ist auch die Arbeit nicht. Aber manche meinen, so müsste man das be­treiben. Es ist auch interessant, wenn diskutiert wird, warum jemand am Wo­chenende nichts macht. Das Arbeitsrecht impliziert (an allen österreichischen Universitäten), dass Nachwuchswissenschaftlerjnnen keine Job-Sicherheit an der Universität haben. Es ist schwierig, eine PostDoc-Stelle zu bekommen:Du stolperst von einem befristeten Vertrag in den nächsten, du hast nie eine Plan­barkeit in deinem Leben, du bist immer darauf angewiesen, welcher Reviewer was über dich denkt. Da ist keine Kontinuität, weder in deiner Forschung, noch in deinem Leben. Ich habe dann gesagt: das ist mir zu anstrengend, das inte­ressiert mich nicht. Dies verbunden mit hohem Publikationsdruck sowie der Notwendigkeit (und Unplanbarkeit) Drittmittel einzuwerben, Arbeitsüberlastung (auch wegen nur wenig honorierter Lehre) und befristeten Verträgen, gegebe­nenfalls mit mehreren Wohnort-Wechseln ist für viele Dissertantjnnen nicht attraktiv:Eine Uni-Karriere hat mich immer interessiert. Jetzt, nach dem Dokto­rat, bin ich aber nicht sicher, ob ich das noch machen will, denn ich habe ver­standen, dass es nicht so einfach ist. Ich mag diese Karriere, aber ich bin nicht

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