Dissertant innen an der TU Wien
sicher, ob ich mich dafür opfern würde.“ Ähnliche Befunde finden sich auch in einer der wenigen vorliegenden empirischen Studien zu Doktoratstudierenden: Jessica Lober Newsome ging der Frage nach, was Frauen nach Abschluss ihres Chemie-Doktorats davon abhält, in der Wissenschaft zu bleiben. 22 Denn wie aus der Tabelle hervorgeht, streben zu Beginn eines Doktoratstudiums mehr Frauen als Männer eine Forschungslaufbahn an, dies ändert sich jedoch bereits nach drei Jahren stark:
Streben eine Forschungslaufbahn an
Frauen
Männer
Start Doktorat
72%
61%
Nach 3 Jahren
37%
59%
Universitätslaufbahn?
12%
21%
Abb. 6 Quelle: Jessica Lober Newsome: The chemistry PhD: the impact on women’s retention. Report for the UK Resource Centre for Women in SET (Science, Engineering and Technology) and the Royal Society of Chemistry. 2008.
Als Ursachen konnte Newsome - ähnlich wie wir in unseren Interviews und im Fragebogen - herausarbeiten, dass die Dissertantinnen über mangelnde oder Überforderung durch ausufernde Betreuung klagen, diese oft zwischenmenschlich als schwierig erlebt wird und die Dissertantinnen nicht gut in der Forschungsgruppe integriert sind, sich isoliert fühlen. Ebenso haben sie Probleme mit der herrschenden Arbeitskultur (z. B. mit den Arbeitszeiten oder der Konkurrenz in der Gruppe) und leiden stärker als Männer unter der Notwendigkeit, ständig Forschungsförderungen zu lukrieren. Auch haben sie den Eindruck, in der durch befristete Verträge charakterisierten PostDoc-Zeit wesentliche Teile ihres Lebens wie z. B. Beziehungen und Familie nicht vereinbaren zu können. Eine Dissertantin nannte in unserer Interviewstudie noch einen zusätzlichen Grund, der sie von einer akademischen Karriere abhält: „In unseren Uni-Struktu- ren, besonders in Österreich, ist es mit den Verbündelungen zwischen Männern schwierig, da als Frau durchzukommen.“
Ein Zufallsbefund unserer Interviewstudie ist höchst interessant: Viele der befragten Dissertantinnen haben Akademikerjnnen als Eltern, dies deckt sich mit den letzten Studierenden-Sozialerhebungen. 2011 wurde beispielsweise in der
22 Jessica Lober Newsome: The chemistry PhD: the impact on women’s retention. Report for the UK Resource Centre for Women in SET (Science, Engineering and Technology) and the Royal Society of Chemistry. 2008.
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