Dissertant innen an der TU Wien
son zu schreiben, zeigt sich hier aber kein signifikanter Geschlechtsunterschied zwischen Dissertanten und Dissertantinnen. Es lässt sich schlussfolgern, dass das soziale Umfeld eine durchaus bedeutsame Rolle bei der Wahl des Dissertationsplatzes spielt. Und zwar für alle.
Auch bei der Finanzierung zeigen sich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede: 1 2 Prozent der Dissertanten (34) und 14 Prozent der Dissertantinnen (16) schreiben ihre Dissertation unbezahlt. Der Großteil der Dissertationen (237 bzw. 59 Prozent) wird über Drittmittelprojekte finanziert, ein weiterer beträchtlicher Anteil über eine Anstellung an der TU Wien (188 bzw. 47 Prozent). 28 230 (57 Prozent) der befragten Studienteilnehmerjnnen gaben an, dass sie ohne Bezahlung keine Dissertation schreiben würden.
Sexismus und „Genderwahn“
Im Fragebogen wurden Themen wie Frauenförderung oder Sexismus an keiner Stelle angesprochen. Bei der Abschlussfrage konnten die Studierenden in einem Freifeld darüber Auskunft geben, was für Doktoratstudierende verbessert werden und was so bleiben soll, wie es ist. An dieser Stelle wurde von den Befragten vereinzelt auf Sexismus eingegangen. So berichtet eine Dissertantin: „Ich würde mir wünschen, dass man als Dissertantin automatisch eine weibliche Mentorin (Prof.) zugeteilt bekommt. Manchmal ist es für eine Dissertantin nicht möglich etwaige Probleme (Mobbing, Ausgrenzung etc.) anzusprechen ohne zu fürchten, dass es für sie im Team oder im Dienstverhältnis Konsequenzen hat. Speziell wenn der Betreuer solche Probleme gar nicht ernst nimmt und meint, das seien ja nur Scherze, und Männer haben ja einen anderen Humor.“ Auch eine andere Dissertantin thematisiert Mobbing: „Vielleicht wäre es möglich bei der Anstellung von Führungspositionen Neigung zu Mobbing (unabhängig vom Geschlecht) Voraussagen zu können und darauf zu achten, weil es Dissertantinnen nicht nur geistig, sondern auch den ganzen Forschungsprozess ruiniert. Eine Vertrauensgruppe oder ein gutes Beispiel von guter Betreuung hat mir damals gefehlt.“ Auch ein Dissertant kritisiert das Arbeitsklima, das er an der TU Wien erlebt: „In a broader image, although it might not be 100% in the scope of gender equality, daily occurrences of racist, politically and socially unacceptable comments, discussions, statements, even in the form of formal emails circulated with the departments, coming from university professors, supervi-
28 Bei der Frage konnten mehrere Antworten ausgewählt werden.
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