Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
Entstehung
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Gelebte Utopie

Während die meisten Gruppen sich in ihren selbstgewählten Projekten an Tech­nikanwendungen herantasteten (ein paar machten eigene Videos, andere nah­men sich gegenseitig im Tonstudio auf und verwendeten die Musik für Videos oder verfremdeten diese mit einem Audio-Verarbeitungsprogramm) entwickel­te die GruppeJust Danube mit der Unterstützung der Technik-Coachin eine auch aus heutiger Sicht beachtliche technologische Innovation.Just Danube bestand aus drei jungen Frauen, die sich im Brainstorming zu Beginn des Pro­jektes vorstellten, mit einem Orchester aus Luftinstrumenten den Donauwalzer am Grazer Hauptplatz aufzuführen. Während der Realisierung dieses Vorha­bens wurde den beteiligten Schülerinnen jedoch bewusst, wie komplex alleine die Entwicklung und Handhabung eines einzelnen Instrumentes ist und so be­schränkten sich die Schülerinnen in der Folge auf das Design eines Instruments, das den Klang eines Klaviers erzeugt. Die Schülerinnen bauten dazu eine Vor­richtung, die aus Infrarot-Leuchtdioden und einer Infrarot-Kamera bestand. Auf einer Platine wurde ein Feld aus Leuchtdioden angebracht, das mit Strom ver­sorgt wurde. Die ausgesendeten Infrarotstrahlen wurden von reflektierendem Material, das an den Fingern befestigt wurde, an eine Infrarotkamera (in diesem Fall ein Nintendo©-Wii-Controller) in der Mitte der Platine zurückgeschickt, die die Signale an das ComputerprogrammPureData weiterleitete. Mit dem Pro­gramm wurden auf einer virtuellen Achse Töne programmiert, die entsprechend der Position des reflektierenden Materials vor der Kamera abgespielt wurden. Die Töne konnten nach einem beliebigen Instrument klingen. Als Ergebnis lag ein Prototyp einesLuftklaviers vor, auf dem tatsächlich mit Fingern in der Luft eine Oktave am Klavier gespielt werden konnte . 24

In der zweiten Projektphase ging es dann um die Reflexion dieser Erfahrungen, um zu überlegen, wie Jugendliche ohne musikalische Spezialbildung zu einem eigenenSound kommen könnten. Daraus entstanden zwei didaktische Kon­zepte, bei denen die Jugendlichen als Ko-Autor*innen mitwirkten. Dabei spielten auch Überlegungen zur Zugänglichkeit von Technologien, wie zum Beispiel ein­fachen Digitalkameras für Film und teilweise auch Geräuschaufnahmen, eine wesentliche Rolle. Diese didaktischen Konzepte verwendeten wir in der Folge auch intensiv für unsere Hochschullehre für die Bildungs- und Erziehungswis­senschaften an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

24 Vgl. Birgit Hofstätter, Birgit Gasteiger, Sonja Deutschmeister u. a.: Lets play air piano! Partici­patory technology design using Nintendo® Wii technology, in: Arno Bamme, Günter Getzinger, Bernhard Wieser (Hg.): Yearbook 2010 of the Institute for Advanced Studies on Science, Techno­logy and Society. München, Wien 2011, S. 41 -52.

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