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Birgit Hofstätter, Anita Thaler
Leistung in der Klasse kaum zu erbringen. Das hatte auch Einfluss auf die Umsetzbarkeit des Projektkonzeptes. Gemeinsam mit den Schülerinnen beteiligten sich insgesamt sechs Lehrende in unterschiedlicher Intensität am Projekt, organisatorisch wie auch inhaltlich waren zwei Klassenlehrer* besonders engagiert und standen uns als Hauptansprechpersonen zur Verfügung.
Der Umsetzungsprozess strukturierte sich in drei Phasen: Zu Beginn wurden, mit einer Vielfalt an didaktischen Methoden, soziale und ethnische Zugehörigkeit, Behinderung, Geschlechterverhältnisse und sexuelle Orientierung als Schauplätze von Diskriminierung besprochen und so das Thema „Fairness“ eingeführt. Darauf wurde die Medienanalyse aufgebaut, für die wir die „Simpsons“ und „Two and a half men“ heranzogen. Im dritten Schritt arbeiteten die Schülerinnen an ihren eigenen Remixen, um die von ihnen identifizierten „unfairen“ Situationen umzugestalten.
Bereits zu Beginn entwickelte sich allerdings ein weiteres Vehikel, mit dem wir unter einigen Jugendlichen großes Interesse für das Projekt entfacht haben und das wir so nicht berücksichtigt hatten: die Thematisierung von Geschlecht und Sexualität . 46 Obwohl zu Beginn eine klare Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Begleitforschung geplant war, trug vor allem die Thematisierung von Geschlecht und Sexualität dazu bei, dass wir einen wesentlichen Teil der damit im Zusammenhang stehenden Aktivitäten selbst anleiteten, da die Lehrenden die Expertise diesbezüglich uns zuschrieben. Dadurch entstanden Rollenkonflikte und die Herausforderung, die Lehrenden im Unterrichtsgeschehen zu halten. Erst ab der zweiten Phase, bei der Analyse der Fernsehserien, gelang teilweise die Rollenverteilung, wie sie vorgesehen war. Diese Erfahrung war wesentlich für die Konzeption unseres dritten Beispiels in diesem Beitrag.
Die Remixphase, das Herzstück des Projektes, funktionierte auf der technischen Seite sehr gut. Die Lehrenden warnten zwar vor der mangelnden technischen Vorerfahrung der Schülerinnen, aber durch dementsprechende Aufbereitung des Materials (Erstellung kleiner Videoclips von wenigen Sekunden und deren Transkription in Drehbuch-Puzzleteile) konnten die Jugendlichen zunächst ganz ohne Technik ihr neues Drehbuch zusammensetzen und danach am Computer mit dem Programm „Windows Movie Maker“ die entsprechenden Videofragmente editieren.
Auf inhaltlicher Ebene waren die Ergebnisse, wie bei Jugendlichen in diesem Alter zu erwarten, zunächst weniger politisch als lustig. Nach einer ersten Ex-
46 Hofstätter, siehe Anmerkung 2, S. 278.
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