Forschungsprojekt „NextGenLab“
nieurwesen, weisen dabei besonders niedrige Frauenquoten im Bereich von 16-25 Prozent 10 auf (zum Vergleich: in Nicht-MINT-Fächern liegt der Frauenanteil an öffentlichen Universitäten bei 61 Prozent). Auffallend ist dabei auch, dass sich diese Verhältnisse kaum verändern: An öffentlichen Universitäten liegt der Frauenanteil im MINT-Bereich seit dem Studienjahr 2007/08 konstant bei etwa einem Drittel, an Fachhochschulen ist er seither von 20 auf 23 Prozent gestiegen. Hier gibt es also noch einiges an Potenzial, um den Frauenanteil, und somit auch die absoluten Zahlen der Studierenden zu steigern. Obwohl diese Thematik nun seit einigen Jahren adressiert und auch mit Maßnahmen bedacht wird - wie beispielsweise durch die Einführung des MINT-Gütesiegels an Höheren Bildungsanstalten in Österreich oder dem Girls Day - scheint das Feld für junge Frauen weniger zugänglich zu sein als für junge Männer und stereotype Prägungen und Vorstellungen im Spannungsfeld von Technik und Gender besonders tief zu sitzen. Diese zu lokalisieren führt in ein komplexes Netz gesellschaftlicher Vorstellungen und Entwicklungen, die Einfluss auf die Entwicklung von Identität und technischem Selbstkonzept der jungen Menschen nehmen, und letztlich auch die Berufswahl unbewusst beeinflussen. Neben der zentralen Bedeutung von sogenannten Gatekeeper-Figuren wie Eltern und Lehrpersonen, die hier oft implizite Haltungen vermitteln und Stereotype reproduzieren, spielen fehlende Rollenvorbilder und Wissen über technische Berufe, aber auch das Image dieser Berufe und mediale Repräsentationen eine große Rolle. * 11 Viele dieser Aspekte entziehen sich dem Wirkungskreis bestehender struktureller Maßnahmen, und doch tragen vor allem Bildungsinstitutionen eine gesellschaftliche Verantwortung, Beiträge zu leisten um stereotype Prägungen aufzubrechen.
Auf diese Situation reagiert das Projekt NextGenLab, in dem es auf struktureller Ebene dem Auftrag nachkommt, nach neuen wirkungsstarken und nachhaltigen Ansätzen zu suchen, um auf individueller Ebene jungen Menschen - und vor allem jungen Frauen - eine Erfahrung der Technikermächtigung zu ermöglichen und die damit verbundenen beruflichen Potenziale in ihren Möglichkeitshorizont zu integrieren.
10 Abhängig von Studienfach und Schultyp (die Studie unterscheidet Universitäten, Fachhochschulen und berufsbegleitende Fachhochschulen).
11 Siehe Susanne Ihsen, Sabine Mellies, Yves Jeanrenaud u. a.: Weiblichen Nachwuchs für MINT-Be- rufsfelder gewinnen: Bestandsaufnahme und Optimierungspotenziale. Berlin 2017 und Heidrun Stögler, Albert Ziegler, Michael Fleilemann (Hg.): Mädchen und Frauen in MINT: Bedingungen von Geschlechtsunterschieden und Interventionsmöglichkeiten. Berlin 2012.
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