Forschungsprojekt „NextGenLab“
die Lebensrealitäten der jungen Nutzer*innen sind dafür unabdingbar. So kann ein Rahmen entstehen, der nicht die oft vorhandene Skepsis gegenüber „uncoolen“ Bildungseinrichtungen bedient, sondern einer, in dem Jugendliche ihre bereits vorhandenen Kompetenzen - die ihnen vor allem in der digitalen Welt bereits zu eigen sind - kontextualisieren, anwenden und erweitern können. Didaktisch fundiert ist die Vermittlungsarbeit dabei auf Prinzipien des pädagogischen Makings. 29 Im methodischen Selbermachen finden sich bekannte und bewährte Prinzipien selbstmotivierter und selbstgesteuerter Lernprozesse, die auf Basis der persönlichen Interessen, Handlungen und Erfahrungen der Lernenden funktionieren, und so zu einem Erleben von Selbstwirksamkeit führen. Durch eigenes Probieren und der selbstmotivierten Eroberung dieses Spielfelds werden die Technikskills nicht nur „gelernt“, im Sinne einer extrinsischen Motivation, sondern die neuen Erfahrungen verinnerlicht. Da als Resultat des Prozesses meist greifbare, selbst gestaltete Gegenstände entstehen - Dinge die vorher noch nicht da waren, und durch den Prozess nach den eigenen Vorstellungen physisch in die Welt gebracht werden - wird diese Wirkung verstärkt. Diese Erfahrung, selbst wenn sie sich auf den vielleicht banal scheinenden ersten mittels 3D-Druck selbst produzierten Schlüsselanhänger bezieht, birgt eine ganz eigene Freude, oder wie der Maker Mark Hatch es formuliert: „These things are like little pieces of us and seem to embody part of our souls.“ 30 In den selbstgesteuerten Lernprozessen fungieren die Explainer*innen als Moderatorinnen im gemeinsamen Entdeckungsprozess. Ihre Rolle ist weniger die der technischen Expertinnen für alle Geräte und Programme (wobei ein grundlegendes Wissen bzw. vertrauter Umgang damit natürlich Voraussetzung sind, um einen Arbeitsrahmen schaffen zu können), sondern den Maker-Gedanken vorzuleben, die Nutzerinnen in ihren Schaffensprozessen zu begleiten, und selbst Role Models für kreative, selbstmotivierte Technikaneignung zu sein.
Das Explainerinnen-Team ist dabei divers aufgestellt, mit unterschiedlichen technischen, handwerklichen, künstlerischen und pädagogischen Hintergründen sowie jeweils Affinität und Vorerfahrung zur Vermittlung. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Explainer*innen erfolgen Weiterbildungen und Schulungen, die ihre technischen und pädagogischen Kompetenzen vertiefen.
Um in den Vermittlungen den Anspruch zu erfüllen genderbezogene Hemmschwellen abzubauen, ist die Fundierung auf einer gendersensiblen Vermittlungsdidaktik maßgeblich (für die die Explainer*innen ebenfalls in Workshops
29 Siehe Boy, Sieben, siehe Anmerkung 14, S. 37-39.
30 Hatch, siehe Anmerkung 16, S. 1.
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