Aufsatz 
Making als Vermittlungsmethode zur genderinklusiven Berufsorientierung : Werkstattbericht zum Forschungsprojekt "NextGenLab" / Theresa Unger
Entstehung
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ForschungsprojektNextGenLab

die Lebensrealitäten der jungen Nutzer*innen sind dafür unabdingbar. So kann ein Rahmen entstehen, der nicht die oft vorhandene Skepsis gegenüberun­coolen Bildungseinrichtungen bedient, sondern einer, in dem Jugendliche ihre bereits vorhandenen Kompetenzen - die ihnen vor allem in der digitalen Welt bereits zu eigen sind - kontextualisieren, anwenden und erweitern können. Didaktisch fundiert ist die Vermittlungsarbeit dabei auf Prinzipien des pädago­gischen Makings. 29 Im methodischen Selbermachen finden sich bekannte und bewährte Prinzipien selbstmotivierter und selbstgesteuerter Lernprozesse, die auf Basis der persönlichen Interessen, Handlungen und Erfahrungen der Ler­nenden funktionieren, und so zu einem Erleben von Selbstwirksamkeit führen. Durch eigenes Probieren und der selbstmotivierten Eroberung dieses Spiel­felds werden die Technikskills nicht nurgelernt, im Sinne einer extrinsischen Motivation, sondern die neuen Erfahrungen verinnerlicht. Da als Resultat des Prozesses meist greifbare, selbst gestaltete Gegenstände entstehen - Dinge die vorher noch nicht da waren, und durch den Prozess nach den eigenen Vor­stellungen physisch in die Welt gebracht werden - wird diese Wirkung ver­stärkt. Diese Erfahrung, selbst wenn sie sich auf den vielleicht banal scheinen­den ersten mittels 3D-Druck selbst produzierten Schlüsselanhänger bezieht, birgt eine ganz eigene Freude, oder wie der Maker Mark Hatch es formuliert: These things are like little pieces of us and seem to embody part of our souls. 30 In den selbstgesteuerten Lernprozessen fungieren die Explainer*innen als Mo­deratorinnen im gemeinsamen Entdeckungsprozess. Ihre Rolle ist weniger die der technischen Expertinnen für alle Geräte und Programme (wobei ein grund­legendes Wissen bzw. vertrauter Umgang damit natürlich Voraussetzung sind, um einen Arbeitsrahmen schaffen zu können), sondern den Maker-Gedanken vorzuleben, die Nutzerinnen in ihren Schaffensprozessen zu begleiten, und selbst Role Models für kreative, selbstmotivierte Technikaneignung zu sein.

Das Explainerinnen-Team ist dabei divers aufgestellt, mit unterschiedlichen technischen, handwerklichen, künstlerischen und pädagogischen Hintergrün­den sowie jeweils Affinität und Vorerfahrung zur Vermittlung. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Explainer*innen erfolgen Weiterbildungen und Schulungen, die ihre technischen und pädagogischen Kompetenzen vertiefen.

Um in den Vermittlungen den Anspruch zu erfüllen genderbezogene Hemm­schwellen abzubauen, ist die Fundierung auf einer gendersensiblen Vermitt­lungsdidaktik maßgeblich (für die die Explainer*innen ebenfalls in Workshops

29 Siehe Boy, Sieben, siehe Anmerkung 14, S. 37-39.

30 Hatch, siehe Anmerkung 16, S. 1.

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